Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
LENZENWEGER, Josef: Der geistliche Protektor der deutschen Nationalkirche und des Priesterkollegs Sta. Maria dell'Anima in Rom
388 Lenzenweger Inzwischen war ja der verdienstvolle Protektor gestorben14), der zum ersten Legaten des Vatikanischen Konzils ernannt worden war. In der Anima fand ein feierlicher Totengottesdienst statt, bei dem sich bezeichnender Weise „infolge anderweitiger Verpflichtungen“ der österreichische Botschafter nur vertreten ließ44 45 46). Österreich kündigte das Konkordat und die Beziehungen zum Vatikan wären völlig auf dem Nullpunkt angelangt, wenn es nicht dem klugen Nuntius in Wien Mariano Falcinelli-Antonioni gelungen wäre, das Äußerste, nämlich den Abbruch der diplomatischen Beziehungen, zu vermeiden. Eine Auswirkung dieser Spannung war es auch, daß die erst nach längerem Zeitraum, nämlich am 4. November 1870 erfolgte Ernennung des neuen Protektors Kardinal Antonio de Luca ohne vorheriges Einvernehmen mit Wien erfolgte 4(i). Der Botschafter versäumte es aber nicht, Luca sofort zu gratulieren und mit ihm persönlich Verbindung aufzunehmen 47). Er war sich eben darüber klar, daß eine Beseitigung Gaßners nur im Einvernehmen mit dem Kardinal-Protektor erfolgen könnte 48). Nach dem Tod von Kardinal de Luca49) ernannte die Kurie gleich wieder einen neuen geistlichen Protektor, nämlich den Kardinalstaatssekretär Lodovico Jacobini50). Jedoch jetzt entschuldigte sich Rom beim Kaiser wegen vorzeitiger Veröffentlichung und der „Osservatore Romano“ erhielt einen strengen Verweis 51). Österreich gab im Nachhinein seine Zustimmung und zur Sicherung wurde Rektor Jänig gebeten, im Protokoll der Verwaltungsratssitzung vom 4. März zu vermerken: „Die Ernennung wurde vom Heiligen Stuhl vorgenommen, nachdem im vorherigen Einvernehmen mit Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät eine Übereinstimmung bezüglich der zu bestimmenden Persönlichkeit erzielt worden war“52). Man kann sich vorstellen, daß Jacobini durch seine Tätigkeit als Kardinalstaatssekretär viel zu sehr in 44) 22. Dezember 1869. 45) I 14, Trauttmansdorff an Gaßner (Konz. StA ebd.). 46) Kardinalstaatssekretär Antonelli an Trauttmansdorff (Abschrift ebd.); Trauttmansdorff verständigte am nächsten Tag Kardinal Friedrich Fürst Schwarzenberg, Fürsterzbischof von Prag, Kardinal Othmar Frh. v. Rauscher, Fürsterzbischof von Wien, und Maximilian Joseph v. Tarnoczy, Fürsterzbischof von Salzburg, Friedrich v. Fürstenberg, Fürstbischof von Olmütz, sowie Andreas Gollmayr, Fürstbischof von Görz (Konz, ebd.); s. auch StA Adm. Reg. F 26/41. *7) XI 5, Konz. StA u.A. 4S) Lenzenweger, ebd. 66—74, bes. 71 f. 49) 28. Dezember 1887. 50) 1884, I 10, Telegramm Paars an den Minister d. Kais. Hauses u. d. Äußeren Gustav Graf Kálnoky de Köröspatala (Aktenvermerk in StA Adm. Reg. F 26/41); II 1, Verständigung Paars an den Kardinal Schwarzenberg von Prag, Kardinal Fürstenberg von Olmütz, Kardinal Cölestin Ganglbauer, Fürsterzbischof von Wien, Franz Albert Eder, Fürsterzbischof von Salzburg, Ludwig Zorn, Fürstbischof von Görz (Konz. StA u.A.). 51) Or. StA Adm. Reg. F 26/41. 52) III 8, Konz. StA u.A.