Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
LENZENWEGER, Josef: Der geistliche Protektor der deutschen Nationalkirche und des Priesterkollegs Sta. Maria dell'Anima in Rom
D. geistl. Protektor d. deutschen Nationalkirche u. d. Priesterkollegs usw. 387 Auch auf die Ernennung der Kapläne an der Anima nahm der Protektor den ihm zustehenden Einfluß. So setzte er die Aufnahme von Franz Pabisch durch, einem Weltpriester aus Zlabings in Mähren, der zeitweilig von seiner Mission in den Vereinigten Staaten zur Vollendung seines Theologie- Doktorates in Rom weilte, während man von Seite der österreichischen Regierung einen anderen vorgesehen gehabt hatte38). Ähnlich ging es auch 1861/62. An Stelle des von Wien empfohlenen späteren Rektors Karl Jänig war schon am 1. Mai 1861 der aus Köln gebürtige, aber zur Erzdiözese Wien gehörige Peter Dahlen ernannt worden (er trat aber die Stelle nicht an) und dazu kam dann noch Adam Gabel aus der Diözese Mainz39)'. Der Kardinal-Protektor schaltete sich auch in die Agentiefrage von Anfang an zu Gunsten der Anima ein40), überließ aber die Leitung des Hauses immer mehr dem Rektor selber. In Österreich hatten sich inzwischen die politischen Verhältnisse geändert. Die Liberalen waren zum Sturm auf das sowieso nie ganz eingehaltene Konkordat von 1855 angetreten. Die Maigesetze des Jahres 1868 brachten den Gesinnungswandel zum Ausdruck, der unter anderem auch dadurch dokumentiert wurde, daß durch Beschluß der Delegationen der dem Protektor genehmigte jährliche Zuschuß von 3000 Scudi mit Ende März 1868 eingestellt wurde41). Man berief sich jetzt nur mehr auf den Protektor, wenn es günstig schien, so z. B. anläßlich der beabsichtigten Amovierung des Rektors Gaßner, „der auch nach Überzeugung Kardinal Reisachs nicht die nötigen Eigenschaften besitzt“, um die Anima zu leiten42). Aber man scheute sich später nicht, darüber zu klagen, der Kardinal habe sich der Sache zu wenig angenommen43). 38) II 3, Präsident der Ministerkonferenz und Minister des Äußeren Johann Bernhard Graf von Rechberg-Rothenlöwen an den öst. Botschafter in Rom Alexander Frh. v. Bach (Konz. StA ebd.) sowie an Thun (Konz, ebd.); III 27, Reisach an Bach (Or. ebd.); III, 30, Bach an Rechberg (Or. ebd.); IV 7, Rechberg an Thun (Konz, ebd.); IV 10, Thun an Rechberg (Or. ebd.); IV 16, Rechberg an Bach (Or. StA u.A.); V 4, Bach an Rechberg (Or. StA Adm. Reg. F 26/4). 30) 1861, V 14, Unterstaatssekretär im Außenministerium August Frh. v. Koller an Bach (Or. ebd.); VI 7, Bach an Reisach (Konz, ebd.); XII 12, Unterstaatssekretär im Außenministerium Otto Rivalier Frh. v. Meysenberg an Bach (Or. ebd.); 1862, II 28, Bach an Rechberg (Konz. ebd.). 40) Lenzenweger, ebd. S. 75—-84, bes. 76 f. 41) 1868, IV 2, Der Minister des kaiserlichen Hauses und des Äußeren Ferdinand Friedrich Frh. v. Beust beauftragte den 2. Nachfolger Bachs als Botschafter in Rom Albert Grafen Crivelli dies mit dem Ausdruck des Bedauerns Reisach bekanntzugeben (Or. StA u.A.), was C. auch am 30. ausführte (Konz. ebd.). 42) 1869, VI 12, Botschafter Ferdinand v. Trauttmansdorff an Beust (Or. ebd.). 48) 1870, XI 12, Trauttmansdorff an den Minister des kaiserl. Hauses und des Äußeren Julius Grafen Andrássy v. Czik-Szent Király u. Kraszna-Horka (Konz. ebd.). 25*