Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
LENZENWEGER, Josef: Der geistliche Protektor der deutschen Nationalkirche und des Priesterkollegs Sta. Maria dell'Anima in Rom
386 Lenzenweger seine Ermächtigung zur Annahme von Breve und Note am 29. Jänner 185931). So war es nun bald so weit. Am 25. März erhielt Colloredo, der Antonelli von der Zustimmung des Kaisers in Kenntnis gesetzt hatte32), das Breve mit den Statuten der Anima in beglaubigter Abschrift mit Datum vom 15. März (das Original war an Reisach gegangen), ferner die Note des Kardinalstaatssekretärs mit Datum vom 22. sowie die Mitteilung, daß Reisach zum geistlichen Protektor der Anima ernannt wurde mit Datum vom 23. im Original. In der Note war die gewünschte Ergänzung wegen des Einvernehmens mit dem Kaiser bei jeweiligen Ernennungen des Kardinal-Protektors enthalten33). Auf dem Wege über den Botschafter wurde jetzt noch durch das Außenministerium der neue Kardinal-Protektor der Anima auch offiziell verständigt, daß sich der Kaiser bestimmt gesehen habe, ihm einen jährlichen Zuschuß von 3000 Scudi zu gewähren. Gleichzeitig wurde die Erwartung ausgesprochen, daß Reisach sich der gedeihlichen Entwicklung der Anima auch in Zukunft annehmen werde und so die weise und heilsame, auf die Kräftigung des religiösen Sinnes und kirchlichen Lebens in Österreich gerichtete Absicht des Kaisers wirksam unterstützen werde. Zu diesem Zwecke werde er sicher auch das Einvernehmen mit dem österreichischen Botschafter in Rom pflegen34 35). In einem sehr höflichen, aber auch geschickt abgefaßten Briefe bedankte sich Reisach beim Kaiser persönlich für die erwiesene Huld36), und unterhielt auch weiter gute Beziehungen mit Wien 36). Der mit Reisach eng befreundete Rektor Flir war im Dezember 1858 erkrankt und am 7. März 1859, acht Tage vor der Krönung seines Werkes durch das Apostolische Breve, verstorben. So ergab sich die Notwendigkeit, wieder einen geeigneten Mann an die Spitze des eben zum Leben erweckten Hauses und Hospizes zu berufen. Wir finden den Kardinal-Protektor dabei eifrig am Werk. Er hatte die Aufmerksamkeit auf seinen Studienkollegen vom Germanikum Dr. Josef Emst gelenkt, einen Regensburger Diözesanen, den er schon als Bischof von Eichstätt zum Regens an seinem Priesterseminar bestellt hatte. Doch Emst wurde in seinem Wirkungsort Dompropst und so zerschlug sich das Projekt. Erst nach langem Hin und Her traf der neue Rektor Michael Gaßner, bisher Dechant und Stadtpfarrer in Bi'egenz, am 15. Mai 1860 in Rom ein37). 31) 1859, I 2, Vortrag Buols beim Kaiser (Or. ebd.). 32) Ermächtigung dazu am 4. II. (Or. StA u. A.); sie langte erst am 21. ein [s. II 26, Colloredo an Buol (Or. StA Adm. Reg. P 26/4)]. 33) III 26, Weitergabe an Außenministerium (Or. ebd.). 34) IV 9, Buol an Reisach (Konz, ebd.); Buol an Colloredo (StA u. A.). 35) IV 19, Org. StA Adm. Reg. F 26/4; gleichzeitig Dank an Colloredo (Abschrift ebd.). 3«) So war er z. B. persönlich Sommer 1860 in Wien, wie aus einem Schreiben Rechbergs an Thun hervorgeht (1860, VIII 8, Konz. ebd.). 37) S. Lenzenweger, Anima, bes. 65—68.