Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

BRUSATTI, Alois: Unternehmensfinanzierung und Privatkredit im österreichischen Vormärz

372 Alois Brusatti Auch das Großhandlungshaus Fries u. Comp., das „durch ein Menschen­alter die Seele fast aller kaufmännischen und industriellen Schöpfungen, die von Wien ausgingen, gewesen war“, fallierte 1826 127). Es waren bei diesen, ihre Zeit sehr erregenden Konkursen, nicht nur die steigende Konkurrenz, sondern auch wesentlich personelle Gründe maß­gebend. Die zweite und die dritte Generation dieser christlichen Häuser hatte bereits andere als rein geschäftliche Ambitionen; Moritz Graf Fries war ein großer Kunstfreund und ein berühmter Gemäldesammler; Johann Heinrich Geymüller, der Nachfolger der drei Gründer der Firma, hatte ge­sellschaftliche Ambitionen und im Bankhaus Steiner, das einen sehr soliden Ruf genoß, waren nur mehr Schwiegersöhne und Neffen vorhanden, die im ungarischen Hochadel mehr verkehrten als im Geschäft. Alle diese Per­sonen hatten bereits ein feudales Gesellschaftsideal vor den Augen und konnten, im Großen und Ganzen besehen, die Spanne zwischen ihrer bürger­lichen Wurzel, die immerhin ihren Reichtum garantierte, und dem feudalen Lebensideal nicht überwinden. Ohne es zu verallgemeinern, kann doch gesagt werden, daß die Mitglieder der jüdischen Häuser — mochten sie noch so viel Landbesitz und Herrschaften erwerben — in erster Linie Geschäftsleute blieben. Einer der wenigen christlichen Geschäftsleute, die diese Spannung zwi­schen Herkunft und adeliger Lebensführung überwinden konnten, war Simon G. Sina (1782—1856), der Sohn jenes aus Griechenland stammenden Georg S. Sina (gest. 1822), der vor allem durch Export- und Import­geschäfte mit den unter türkischer Herrschaft stehenden Ländern sein großes Vermögen erworben hatte; lange galt das Haus Sina neben dem Triestiner Haus Carlo d’Ottavio als größter Tabakimporteur Öster­reichs 128 ). Zu dieser, später fast monopolartigen Stellung verhalf ihm auch das 1818 im türkischen Serbien (Bosnia Sari) errichtete Filialbankhaus. Um 1826 verstand es Sina, sich immer mehr in das ungarische Tabak­geschäft einzuschalten 12B) und er wurde allmählich in den Vorstand einer Reihe von Aktiengesellschaften gewählt. Mit diesem Vermögen als Basis konnte er daran gehen, sich am Staatskredit einzuschalten und war seit 1830 an jeder Staatsanleihe beteiligt. Sina verband sich mit dem Grafen Széchényi, dessen Geldgeber für die Projekte zum wirtschaftlichen Aufstieg Ungarns er wurde; so war er neben anderen führend am Ausbau der unga­. .. Durch das Falliment seien der Brodyer Handel mit Jassy, Berditscheff und Odessa gestört worden und die Außenstände der Brodyer betrügen 133.631 Taler. — FA: 6791 und 7350 ex 1841: Die beiden in Konkurs geratenen Firmen haben stärkste Bindungen an die Berner Häuser, vor allem an Zurleder et Comp., gehabt. 127) Hallwich: Entstehung der Großindustrie ..., S. 31; Slokar: Indu­strie ..., S. 279, 282, 514. •— A. Gr. Fries: Die Grafen von Fries. Dresden, 1903. 128) HKA, Kreditakten, 2 K, 98 und 875 ex 1821. 1S9) Neben vielen anderen Akten, vor allem FA 3048 ex 1827.

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