Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

BRUSATTI, Alois: Unternehmensfinanzierung und Privatkredit im österreichischen Vormärz

Unternehmensfinanzierung und Privatkredit im österr. Vormärz 373 rischen Eisenbahnen, vieler Mühlen und — was propagandistisch am mei­sten ausmachte — beim Bau der Kettenbrücke von Pest beteiligt. Er galt nach Rothschild als zweitreichster Mann der Monarchie 130) und legte sein Geld in zahlreichen Ländereien an 131 *). Einen bedeutenden Ruf hatte das Haus Stametz, das von Johann Mayer, einem auch von Rothschild anerkannten Kaufmann geführt wurde; dieses Bankhaus hatte durch seine Salzexporte von Wielicka nach Polen und durch Tabakimporte ein Vermögen geschaffen 133); immer mehr beteiligte es sich bei Unternehmungen und wurde eines der wichtigsten Häuser für den österreichischen und noch mehr ungarischen Adel. Am Staatskredit konnte sich dieses Bankhaus allerdings nicht einschalten. Ein altes Großhandlungs­haus war das von Arnstein & Eskeles, das 1787 gegründet wurde. Adam Isaac Arnstein war Großhändler, während Bernhard Eskeles ein Bankfach­mann von internationalem Ruf war; ebenso wie die anderen Bankhäuser waren sie an zahlreichen Unternehmungen beteiligt, und waren seit 1807 Staatsbankiers. In den Vierzigerjahren genoß dieses Haus den solidesten Ruf aller Wiener Häuser unter seinen Chefs Daniel Bernhard Freiherr von Eskeles und Ludwig Freiherr von Pereira-Arnstein. Bedeutend war auch das Ansehen des Hauses Biedermann; sein Gründer war Michael Lazar Biedermann gewesen, der zuerst Juwelier, dann Wollhändler und Tuch­fabrikant war und schließlich 1808 auch Bankier wurde133). Daneben gab es aber eine Anzahl kleiner und eine kleinere Anzahl mitt­lerer Häuser, wie Königswarter, Todesco, Lämel, Uffenheimer, Wertheim­stein u. a., die fast alle Juden waren. Sie spielten bei den verschiedenen Unternehmungen eine Rolle, waren um den Staatskredit bemüht, hatten aber doch nur Erfolge auf dem Sektor des Privatkredits aufzuweisen. Sie waren entweder Besitzer von Fabriken oder hatten Anteile daran; alle diese kleinen und mittleren Großhandlungs- und Wechselhäuser waren wohl 13») Lt. Wurzbach. en) 1841 besaß Freiherr von Sina folgenden Güter- und Häuserbesitz: In Österreich: die Herrschaften Mauerbach (geschätzter Wert: 400.000 fl.), Rap­poltenkirchen (160.000), Gföhl (600.000), Fahrafeld (345.000), Leopoldsdorf (170.000) , und zahlreiche Häuser in Wien und Baden. -— In Böhmen: die Herr­schaft Podiebrad (1,640.000). — In Mähren: die Herrschaften Aichhorn (760.000) , Wellehr ad (600.000), Mistibovitz (300.000), Brumov (200.000). — In Ungarn neben etlichen Häusern und Mühlen die Herrschaften Trentschin (1.400.000) , Baan (140.000), Somonthurn (800.000), Hodos-Kisdia (100.000), Rittberg (80.000), Orizdorf und Kalatzky (300.000), Tolna (880.000), Erseny (1.550.000) . —- Ein Teil, die österreichischen und das böhmische Podiebrad und das mährische Wellehrad waren Staatsgüter, die im Zug der Staatsgüterver­kauf saktion an Sina gelangten, als Vorbesitzer für Trentschin konnte Graf Illeshazy, für Rittberg Graf Hoyos und für Tolna Graf Festetics festgestellt werden; alle drei waren Schuldner des Hauses Sina gewesen. 132) HKA, Kreditakten, 2 K, 1682 ex 1821, 42 u. 900 ex 1820, 40 u. 324 ex 1821, 969 ex 1824, um nur die wichtigsten zu nennen. 133) Lt. Wurzbach und Österreichische National-Enzyklopädie.

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