Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

MIKOLETZKY, Hanns Leo: Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker

236 Hanns Leo Mikoletzky (zu 40 kr.) wurde von der Morgengabe ihres Zukünftigen in der gleichen Höhe aufgewogen und beide Summen wurden nie ausbezahlt25). Dafür ver­schlangen bloß die Geschenke, die Franz Stephan anläßlich seiner Hochzeit machen mußte, den Betrag von 389.391 fl. „L’archiduchesse“ bekam „un portrait en diamans“ im Wert von 150.000 fl.26). Einen Menschen, der, wie Podewils angibt, „aime l’ordre dans ses affaires“, muß die mangelnde Deckung seiner notwendigsten Ausgaben bald ebenso irritiert haben wie sein fehlendes Ansehen und der anfangs überhaupt nicht vorhandene Wirkungskreis. Um welche Zeit begann er sich nach Aufgaben umzusehen, die imstande waren, ihn zu erfüllen, und was waren das für Aufgaben? „Mon eher Alter“, wie ihn seine Gemahlin später anredet, war gewiß schon früh unzufrieden, auch wenn Maria Theresia im Rahmen der Grenzen ihrer eigenen Persönlichkeit das Möglichste tat, ihm gleichsam einen Sinn zu verschaffen, und ihn 1745 sogar allein zum Kaiser krönen ließ. Sie hat dabei — aus welchen Gründen immer — nur zugeschaut, obwohl jedermann wußte, daß diese Kaiserherrlichkeit nichts anderes war, „als von ihr er­borgtes Licht“ 27), und er sich vielleicht, wie der englische Gesandte Sir Charles Hanbury Williams 1753 feststellen zu können glaubte, in dieser Würde unbehaglich gefühlt hat28). Die Kaiserin verlieh ihm auch eine verantwortungsvolle Stelle im Hofkriegsrat zwischen sich selbst und dem Hofkriegsratspräsidenten und befahl, es sollten „die referaten künftighin an dem herzog gegeben und stylisirt an ihme mit seinem titul gegeben werden“29). Sie wird indessen schon damals gewußt haben, daß all das nicht das Richtige für ihn war, und wurde durch gewisse Fehlschläge nur noch mehr im Glauben bestärkt, daß einfach nichts gut gehen könnte, was sie nicht selbst machte. Als nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Karl (f 1761) am 31. Januar 1745 der Großherzog damit betraut worden war, „alle Rollen more solito“ zu unterschreiben, wurden auch „die gewöhn­lichen engeren Conferenzien und sobenannte Colloquia .. . bei ihm und unter seinem Praesidio gehalten, ingleichen die Rapports deren Ministern an ihn abgestattet; weillen aber leider das Vertrauen ob rationes notas nicht vorhanden, thaten die meisten, wo nicht periculum in mora vorhanden, damit zuruckhalten und muste die Königin bald selbsten widerumen alle von 1701 bis 1740. 1890, S. 627, 629/A. 2. Über die Palms s. Constant v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 21. 1870, S. 237.-25) Vgl. Hanns Leo Mikoletzky, Der Haushalt des kaiserlichen Hofes zu Wien (vornehmlich im 18. Jahrhundert), in: Carinthia I. 146. 1956, S. 681. 26) Poschakten 28. 27) Kretschmayr a. a. O. S. 85 f.; Walter a. a. O. S. 199 f. 2S) Arneth a. a. O. 4, S. 149 f. 29) Die österreichische Zentralverwaltung (= künftig OZV.). II/l/l: Friedrich Walter, Die Geschichte der österreichischen Zentralverwaltung in der Zeit Maria Theresias (1740—1780), in: Veröffentlichungen der Kommission für neuere Ge­schichte Österreichs. 32. 1938, S. 29.

Next

/
Oldalképek
Tartalom