Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
MIKOLETZKY, Hanns Leo: Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker
Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker 237 Arbeit über sich nehmen“30). Sagt doch auch Podewils: „S’il assiste aux conférences, c’est pour la forme ..31 32 33). Maria Theresia „voudroit faire un ménage bourgeois“ S2), was vom gemeinsamen Schlafzimmer bis zum gemeinsamen Sarkophag von Balthasar Moll führte. Aber die impulsive, leicht aufbrausende Frau wollte doch keinen „Zipfel der bei ihr versammelten Macht aus ihren herrischen Händen lassen“ und wies Franz Stephan „mit einer manchmal recht unfreundlichen Kürze zurück“, wenn er in ihre Sphäre einzudringen versuchte. „Son ambition lui fait souhaiter de gouverner par elle-méme“ 3S). Franz Stephan begriff aber wohl schon früh, daß ihr trotz alledem der rechte Überblick fehlen mußte. Er sah, wie uferlos Staatsgelder vergeudet wui’den und wie man Jahresgehälter ausbezahlte, wo eine Besoldung „ad tempus“ genügt hätte34). Er mag gefühlt haben, daß er manches besser wußte, aber „quoiqu’il y propose quelquefois de bons avis, on y fait fort rarement attention“ 3ä). War es also wirklich nur eine erbliche Belastung, die seinen Hang zur Schwermut förderte, den schon Podewils andeutet und von dem Khevenhüller meint, daß „diser Herr sehr zur Melancolei incliniret (wie dann dessen Frau Mutter die leztere Jahr ihres Lebens durch dergleichen Zustände ganz blödsinnig geworden)“?36) Als Maria Theresia endlich erkannte, daß er sich ihr zu entziehen und einen eigenen kleinen Bereich aufzubauen begann, in dem er trachtete, nach seiner Auffassung Ordnung zu halten, Pensionen abzuschaffen, die an nicht existierende Leute gezahlt wurden und Verträge unter veränderten Bedingungen zu erneuern, wenn ihre Voraussetzungen nicht mehr stimmten, da war es verhältnismäßig spät. 1747 wird erzählt: „II a mérne présenté des projets ä lTmpératrice pour le redressement des siennes et lui a fait connoitre combién elles étoient mai dirigés.“ Und zur selben Zeit heißt es: „Outre qu’il a de grandes sommes dans les banques de Venise, d’Amsterdam et de Genes, il en a avancées ä lTmpératrice-Reine contre de bonne hypo- théques, qu’elle a été obligée de lui donner sur les revenues du royaume de Boheme“ 37). Der Beobachter hatte recht. Um jene Zeit wird die Kaiserin begonnen haben, sich intensiver für seine finanziellen Fähigkeiten und 30) Khevenhüller 1745—1749, S. 25 f. (zum 3. Februar 1745). 31) Wolf-Podewils S. 498, Hinrichs-Podewils S. 57. 32) Wolf-Podewils S. 493, Hinrichs-Podewils S. 50. Vgl. auch Walter a. a. O., S. 207. 33) Vgl. ihre Charakteristik bei Podewils: Wolf S. 487 ff., 490, 494 („On la dit inconstante“); Hinrichs-Podewils S. 42 ff., 46, 52 und Walter a. a. O. S. 202, 206 f. u. a. O. 34) Mikoletzky a. a. O. S. 678. 35) Wolf-Podewils S. 498, Hinrichs-Podewils S. 57. 36) Khevenhüller 1752—1754, S. 215 (zum 1. Dezember 1754), dazu Arneth a. a. O. 7. 1876, S. 151, 517/A. 221. 37) Wolf-Podewils S. 498, Hinrichs-Podewils S. 58. Vgl. auch Mikoletzky a. a. O. S. 676.