Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

MIKOLETZKY, Hanns Leo: Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker

Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker. Von Hanns Leo Mikoletzky (Wien). Wann Franz Stephan von Lothringen zuerst erkannte, daß er weder ein Feldherr noch ein Diplomat war* 1) und wo seine eigentliche Stärke lag, ist ungewiß. Der 1708 Geborene hatte sich, zunächst um das seinem Vater Herzog Leopold (f 1729) an Stelle des beanspruchten Montferrat 1722 verliehene Herzogtum Teschen in Besitz zu nehmen, am 10. August des­selben Jahres dem Kaiser zu Brandeis in Böhmen vorgestellt, und weilte seit Dezember endgültig in Wien. Der kaum Fünfzehnjährige geriet schon bald in Geldverlegenheiten und schlug zu ihrer Behebung Wege ein, die dem Vater unsympathisch waren. Denn ein Brief Herzog Leopolds vom 20. August 1723 verbot ihm recht energisch derartige „petites manieres“ und „Souterrains“. Der Herzog befand sich selbst ständig in pekuniären Schwierigkeiten: die Errichtung eines standesgemäßen Palastes in Luné- ville sowie andere, zum Teil nur begonnene Prunkbauten zehrten stark am Säckel seines kleinen Staates und stürzten das Land in Schulden, die zu bedenklichen Sanierungsversuchen mit Hilfe von Metzer Juden und durch Münzverschlechterung führten2). Es ist begreiflich, daß die zusätzlichen Ausgaben, zu denen ihn der Wiener Aufenthalt seines Sohnes zwang, ihn bald erschreckten: „II páráit que le séjour de mon fils ä Vienne sera plus coustant que nous y somme attendu“3). Der Versuch einer Schilderung der wirtschaftspolitischen Tätigkeit des Kaisers Franz I. Stephan muß angesichts der Dürftigkeit des ungedruckten Materials sowie der Literatur fragmentarisch bleiben. Auch der vorliegende Ver­such besteht nur aus Mosaiksteinen, deren Auffindung und Deutung vielfach zufällig und unvollständig sind. Der Verfasser hat für freundliche Ratschläge und Unterstützung bei seinen Bemühungen vor allem Herrn Univ.-Prof. Dr. Fried­rich Walter, den Beamten und Angestellten des Finanz- und Hofkammerarchivs: Oberstaatsarchivar Dr. Josef Sokoll, Archivoberrevident Dr. Maria Woinovich, Amtswart Edmund Wunsch und VB. Karl Schopf, Herrn Staatsarchivar Dr. Hans Wagner vom Haus-, Hof- und Staatsarchiv sowie seinem Freund Dr. Franz von Pollack-Parnau zu danken. 1) Vgl. Theophil Tromballa, Franz Stephan und sein Kreis. Beiträge zur Kulturgeschichte des Hauses Habsburg-Lothringen. Ungedr. Diss. Wien 1953, S. 128 f. 2) Hermann Derichsweiler, Geschichte Lothringens ... 2. 1901, S. 522 ff. 3) Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien (= künftig: HHStA.): Lothringisches

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