Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung

Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen 225 sehe Quellen bekannt, die ohne Einfluß auf die Historiographie verblieben. Die eine ist eine Schenkungsurkunde des Kaisers Leopold I. vom 11. August 1695, wodurch er dem Patriarchen Arsenije III. das Kastell Sirac in Slawonien abtrat. In der Urkunde wird gesagt, Ipek befinde sich in der Nähe Albaniens (Ipek prope Albaniam) und nicht, wie in Marsiglis Memorial über Albanien steht, daß Ipek „ein Ort der albanischen Klimenten sei“. Gewisse Einzelheiten in dieser Urkunde scheinen mir dafür zu spre­chen, daß die Daten hiezu der Patriarch selbst gegeben hat91). Die andere Quelle ist eine Landkarte Serbiens und Makedoniens, die auf Autopsie beruht. Ihr Original befindet sich als erste kartographische Beilage zum erwähnten Journal der Kriegsereignisse Annotationes und Reflexiones. Diese Karte entwarf 1689 ein gewandter öster­reichischer Ingenieur in damaliger Kriegszeit auf Grund von Erhebungen, nach dem Augenmaß, nach seiner Überzeugung und guter Berichte durch die Bevölkerung. Sie ist ohne Maßstab angelegt und wenn sie auch die geographischen Verhältnisse nicht genau widergibt, so sind darauf die historischen und ethnographischen Grenzen zwischen Serbien und Albanien im 17. Jahrhundert genau eingetragen92). Zum Unterschied von Marsigli, der diese Gegenden nicht aus persön­lichem Augenschein kannte und auf Grund falscher Auskünfte des Don Torna auch eine falsche Darstellung von der Ausbreitung der Klimenten und Albaniens gab, arbeitete dieser Ingenieur an Ort und Stelle und es ist daher verständlich, wenn er in seine Karte die Klimenten überhaupt nicht dort eintrug, wo sie Marsigli untergebracht hatte. Er nahm sie in seine Karte überhaupt nicht auf und rechnete zum Unterschied von Mar­sigli auch das Amselfeld (Pristina, Kacanik), Ipek, Djakovica, Rozaj (Roshey), Kolasin, Plav und Prizren zu Serbien. Nach diesem Ingenieur — wie auch nach den zeitgenössischen einheimischen Quellen — liegt Albanien in den Bergen, westlich und nordwestlich von Prizren, was auch der Wirklichkeit entspricht. Spätere Geographen und Kartographen korrigierten Marsiglis Irrtum bezüglich der Ausdehnung der Klimenten. Obzwar er gewissen Beobach­tungen Marsiglis folgte, entwarf der Franzose Guillaume De riffle, Mit­»i) Dr. J. Radonic, Prilozi istoriji Srba u Ugarskoj u XVI, XVII, i XVIII veku, I. Novi Sad 1908, 86. 9-) Kriegsarchiv zu Wien: Annotationes und Reflexiones N° 5, Beilage I, Fasz. 167. Die Legende lautet: „Obzwar diese Landkarte in damaliger Kriegs­zeit nicht geometrice verfaßt werden können, so ist solche gleichwohl durch habile Ingenieurs in loco recognoscirungsweise nach dem Augenmaß, eige­nem Judicio und guten Nachrichten der Inwohner errich­tet, daher auch in dieser kein Echélle beigesetzt, sondern nur die auf dem Nebenblatt befindliche Beschreibung der Wege, die Beschwerlichkeit und Komo- dität derselben, die Gebirge, Flüsse, gut und bösen Genie des Volckes ange­merkt worden und einem jeden commandirenden Officier zu guter Auskunft dienen.“ — Vergleiche: G e r b a, Tafel II. Mitteilungen, Band 13 15

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