Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung
Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen 223 Landkarte verzeichnet87), natürlich nach den Angaben, die er von Toma Raspasanovic erhalten hatte. Aus dem bisher Gesagten können wir schließen, daß in den meisten österreichischen Quellen literarischen und kartographischen Charakters zu Ende des 17. Jahrhunderts die Serben Altserbiens und Montenegros von den Albanern und Klimenten nicht genau unterschieden werden, da weder jene das Volk noch dessen Stammesgrenzen kannten, die den Kaiserlichen Bericht gaben, noch die Kaiserlichen auf Grund solch falscher Auskünfte zuverlässige Amtsberichte ihren obersten Behörden in Wien vorlegen konnten. Nachdem diese aber von den kaiserlichen Kommandanten (L. W. von Baden) und Fachleuten (Marsigli) herrührten, denen man in Wien vollen Glauben schenkte, dienten jene Amtsberichte auch der österreichischen Historiographie und so auch vielen anderen als Quellen von unzweifelhaftem Wert, obzwar ihnen keinerlei Autopsie zugrunde lag! IV. Zum Unterschied von allen bisher aufgezählten Quellen, die nicht auf Autopsie beruhen und demnach keine wahren Vorstellungen über den Verlauf der geographisch-geschichtlichen Stammesgrenzen Albaniens und des albanischen Stammes der Klimenten bieten, besteht eine gewisse Anzahl amtlicher und narrativer Quellen literarischen sowie eine kartographischen Charakters, die entweder autochthonen Ursprungs oder das Ergebnis von Autopsie sind. Leider vermochte diese einzige authentische Quellengruppe — obzwar sie publiziert wurde — bis heute überhaupt nicht die Aufmerksamkeit der österreichischen oder serbischen Historiker zu erwecken. Erst wenn diese Quellen mit jenen verglichen werden, die wir in den Kapiteln I und II dieser Abhandlung darstellten, dann wird die ganze und große Verwirrung deutlich, die sich aus der Nichtunterscheidung und Verwechslung der Serben mit den Albanern zu Ende des 17. Jahrhunderts ergab. In einem Berichte über die Lage des Klimentenstammes und über dessen * • 87) Arhiv SAN XIV/78j_4 (Die restliche Signatur ist in der Bemerkung 77 angeführt): In einem Brief aus Sibinj vom 26. März 1693 wird der Congregatio de Propaganda fide in Rom u. a. gemeldet, daß in Albanien, in der gesamten Diözese von Prizren, sich nur ein Geistlicher befindet — „In Albania in tutt’ il Vescovato di Prisreno si trova un solo prete D. Pietro Sa- gagni“. Arhiv SAN IX/6j_(Die restliche Signatur ist in der Bemerkung 80 angeführt) : Im Briefe aus Nis vom 1. April 1690, womit er der Congregatio de • Propoganda fide von seiner Flucht aus Serbien Mitteilungen macht, unterzeichnet er sich als Vikar des Erzbistums in Albanien (Tommaso Raspassani, vicario del Arcivescovato in Albania), obzwar das Erzbistum Üsküb in allen anderen Quellen als zu Serbien gehörig erscheint. -— Im Briefe vom 22. Juli 1690 der im Baden’schen Archive zu Karlsruhe aufbewahrt wird, unterschrieb er sich gar als Vic(ario) d’Albania, wenngleich ein solcher Titel gar nicht bestand. Hierüber: K o s t i c, Prilozi, 20, Beilage II.