Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
VESELINOVIC, Rajko L.: Die „Albaner“ und „Klimenten“ in den österreichischen Quellen zu Ende des 17. Jahrhunderts. Historisch-geographische und ethnographische Abhandlung
222 Rajkó L. Veselinovic lungen (9. November 1689) eintrat, treffen wir Don Torna im Verband der Serbischen Miliz (Rasciana militia, raizische Feld-Miliz, irreguläre Truppen) des Obersten Anton Znorié. Nach der Einnahme Prizrens durch die Türken anfangs Jänner 1690 floh Don Torna köpf- und rücksichtslos mit noch einem Priester, zu Pferde, „nackt und barfuß“ (nudo e crudo) nach Belgrad80). Aus Belgrad begab er sich mit der Serbischen Miliz auf Befehl des Generals Veterani nach Nis 81), dem er nach Don Tornas Bericht wegen seiner serbischen und albanischen Kenntnisse nötig war82). In Nis finden wir ihn bereits anfangs März 169083); dort befaßte sich Don Torna außer mit dem Dolmetschen auch mit geistlichen Dingen, und las für die kaiserlichen Herren die Messe in ihren Kapellen84). Wenngleich er nur Vikar des Erzbischofs von Üsküb war und eine Zeitlang auch Vikar der Diözesen Prizren und Pilot, stellte er sich den Kaiserlichen als Vikar von Albanien vor (Vicario d’Albania) und unterschrieb sich in einem Briefe auch als solcher; so wurde er in einem Bericht des Herzogs Holstein aus Pristina „albanischer Vikar“ genannt85). Seine Absicht war, mit Hilfe der Kaiserlichen den erzbischöflichen Stuhl von Üsküb zu gewinnen und er bat durch die Kaiserlichen in Nis Kaiser Leopold I. zweimal um Ernennung zum Erzbischof an Peter Bodanis Stelle, der am 6. Dezember 1689 starb86). Dort, in Nis, wurde er mit Graf Marsigli bekannt und gab ihm jene Auskünfte über die „Albaner“ und die sog. Kli- menten in Türkisch-Albanien (Albania turca), d. h. Altserbien. Da Don Torna kein Vikar von Albanien war, denn ein solches Amt gab es nicht, und weil er gar nicht beim römisch-katholischen Stamme der Klimenten in den Bergen (Malessija) amtierte, sondern nur interimistisch und für kurze Dauer in einem anderen Landstriche Nordalbaniens — in Pilot, konnte er dem Grafen Marsigli gar keine genauen Daten über die Klimenten in Albanien bieten. Sein geographisches Wissen war gering, unsicher und ungenau. Das geht aus seinen Briefen hervor, worin er sagt, Prizren und Üsküb befänden sich in Albanien, genau so, wie es Graf Marsigli auf seiner 80) Arhiv SAN IX/ö,^: Ex Tabulario S. C. de Prop, Fide-Scriture riferite nei congressi. — Servia Vol. I«-Fol. 116: „... giorno e nőtte ramingo con un sacerdote di Pecchia, venni a Belgrado“; XIV/78,_4: Scritt. orig. Rif. nelle cong. gli 4 maggio, 22 giugno e 13 luglio 1693. N« 19: „Io sono scapato nudo e crudo dalli Turchi sopr’un cavallo“. si) Veteranis Feldzüge, 75. 82) Arhiv SAN IX/6j_2 (Die restliche Signatur ist in der Bemerkung 80 angeführt) : „... venni a Belgrado, da dove fui di nuovo richiamato a Nissa dall’Eccell(entissimo) Generale Conte Veterani per causa della lingua nationale et albanese“. — Vergleiche: Radonic, Rimska kurija, 421. 88) Ivic, Istorija Srba u Vojvodini, 491. 84) Arhiv SAN IX/6^2 (Die restliche Signatur ist in der Bemerkung 80 angeführt). 85) Ivic, Istorija Srba u Vojvodini, 286, 490. 86) Arhiv SAN VI/88—89.