Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413
Die Grundherrschaft der Herren von Arco 53 Stadt Verona auf der Seite Ulrichs von Arco eingriff. Am 2. März 1204 wurde schließlich in Ala Frieden geschlossen324). Bei dieser Gelegenheit mußte sich Ulrich verpflichten, bis zur endgültigen Regelung, die durch ein Gerichtsverfahren durchgeführt werden sollte, keinerlei Zölle mehr in Torbole einzuheben. Aber es sollte nicht lange dauern bis der Bischof wiederum in eine Zwangslage geriet und die Hilfe seines mächtigen Vasallen in Judikarien benötigte. Im Frühjahr 1205 hatte Bischof Konrad, des Streites mit seinen Domherren überdrüssig, auf die Regierungsgeschäfte verzichtet und sich in ein Kloster zurückgezogen 325). Doch er fand an dem beschaulichen Leben hinter Klostermauern kein Wohlgefallen und sann bald auf Mittel, seinen Bischofsstuhl wiedei-zuerlangen. Doch jetzt versammelten sich Domkapitel und Adel des Fürstbistums und beschlossen einvernehmlich in der Zeit von 22. April bis 24. August 1205 in Trient, die Wiederkehr des Bischofs zu verhindern. Keine einseitigen Übereinkommen sollten mit ihm geschlossen werden und alle seine Verleihungen und Verfügungen, die er nach seiner Resignation über das bischöfliche Gut treffen sollte, wurden für ungültig erklärt 326). Bischof Konrad aber wandte sich an König Philipp und bat ihn um die Investitur der Regalien, die er auch erhielt 327). Doch als der König mit Papst Innozenz III. Frieden geschlossen hatte, ließ er Konrad fallen. Innozenz hatte nämlich inzwischen am 23. Mai 1207 das Domkapitel von Trient angewiesen, binnen acht Tagen eine Neuwahl durchzuführen 328). Aber selbst dieser Schritt ließ den abgedankten Bischof nicht seine Pläne aufgeben. Wie im Jahre 1200 wandte sich Bischof Konrad auch jetzt wieder an Ulrich von Arco und belehnte ihn am 5. Juni 1207 zu Arco mit den Mauten von Torbole, Arco, Ballino, Banale und Condino 329). Aber diese Lehensverleihung sollte dem Bischof keinen Nutzen mehr bringen, denn schon am 9. August dieses Jahres wählte das Domkapitel seinen bisherigen Dekan Friedrich von Wangen zum Bischof. Am 4. November erhielt er von König Philipp die Investitur mit den Regalien, so daß er am 18. November des gleichen Jahres seinen feierlichen Einzug in Trient halten konnte 330). Sogleich begann der neue Bischof mit der Einziehung der dem Bistum während der Sedisvakanz verloren gegangenen Güter. Dieses Rechtsverfahren konnte er auf Grund des Beschlusses des Domkapitels und der Stiftsvasallen vom Frühjahr 1205 leicht durchführen. Ulrich von Arco, der an diesen Beschlüssen nicht teilgenommen hatte und sich daher auch nicht an sie gebunden fühlte, mußte täglich mit der Einziehung seiner Zölle rech324) Tiroler UB. II, Nr. 52. 325) Tiroler UB. II, Nr. 55. 326) Ebda, Nr. 557. 327) H. Voltelini: Ein Mandat König Philipps von Schwaben, in: Zeitschrift des Ferdinandeums, III. Folge, 48. Bd., S. 353. 328) Tiroler UB. II, Nr. 567. 329) Arco-Archiv Mantua, Busta 5. »so) Tiroler UB. II, Nr. 570.