Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
Rezensionen 529 bedürftigen, aber doch halbwegs abgeschlossenen Aufbaues des Schulwesens im Südosten der Donaumonarchie, der im wesentlichen deutschen Anregungen und der Organisationskraft der Wiener Zentrale zu danken ist. Das Vordringen der deutschen Sprache stand auch in einer gewissen Relation zu den verschiedenen Religionen. In Ungarn gewann die deutsche Sprache am meisten Geltung bei den Protestanten Augsburger Bekenntnisses, indes bei den Kalvinern eine gewisse Zurückhaltung zu erkennen war. Die Orthodoxen lernten dagegen sehr gerne deutsch, was durch den Umstand erklärlich wird, daß deren Muttersprachen damals noch nicht genügend ausgebildet waren, um wissenschaftliche und kulturelle Arbeiten zu ermöglichen. Ungefähr ein Drittel des Bandes ist dem Zeitungs- und Buchwesen, dem Schrifttum und der Dichtung, dem Theater, der Musik und der bildenden Kunst gewidmet. In allen diesen kulturellen Belangen versteht es der Autor, auf den deutschen Einfluß, vielfach auch auf den deutschen Ursprung hinzuweisen, bis die Schöpfer von Produkten nicht-deutschen Geisteslebens zur völligen Unabhängigkeit herangewachsen sind. Hiebei wird in sehr klug gewählten Worten die literarische Strahlungskraft Wiens herausgearbeitet. An zahlreichen Stellen verstreut wird auch des kulturellen Einflusses des Militärs gedacht, insbesondere jenes, den die kaiserlichen Regimenter in Siebenbürgen und in Kroatien ausgeübt haben. Inwieweit ein solcher Einfluß den Truppen mit deutscher Mannschaft in kernungarischen Gebieten nachzuweisen ist, wäre noch zu erforschen, ebenso die vom Hofkriegsrat in aller Stille betriebene Nationalitätenpolitik, die weitblickender war als jene mancher ziviler Zentralstellen. Für den Historiker ist der über die Geschichtsschreibung handelnde Abschnitt von besonderem Interesse. Hervorgehoben werden die deutschen Historiker Schlözer, Gebhardt, Thumann und Engel; sie haben die erste kritische moderne Darstellung der Geschichte dieser Länder geliefert und dadurch wertvolle Fundamente und Ausgangspunkte für die bodenständige geschaffen. Hiebei werden Werke serbischer, rumänischer und ungarischer, sogar bulgarischer Geschichtsschreiber aufgezählt; leider fehlen wieder die Kroaten. Schließlich befaßte sich Valjavec, der leider indessen verstorben ist, noch mit der nationalen Sprachpflege und dem nationalen Erwachen bei den verschiedenen Völkern des Südostraumes. Es wird das Wirken der diversen Sprachbildner wie Wuk Karacic, Kopitar und Gaj erwähnt; es wird die zum Teil durch das Barock geförderte völkische Bewußtwerdung bei den Slowenen, Serben, Rumänen und Slowaken erörtert; und mit der Darlegung der Übersteigerung des madjarischen Nationalgefühls zum blind- unduldsamen Chauvinismus schließt dieser außerordentlich wertvolle Band. Rudolf Kiszling (Wien). Sashégyi Oskar, Zensur und Geistesfreiheit unter Joseph II. Beitrag zur Kulturgeschichte der habsburgischen Länder, in: Studia historica Academiae scientiarum Hungaricae. 16. Akadémiai Kiadó, Budapest 1958. 244 S. 4». In seinem kurzen Bericht über das Österreichische Staatsarchiv, der 1948 in den „Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs“ erschien, Mitteilungen, Band 12 34