Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

528 Literaturberichte In den übrigen von den Türken befreiten Gebieten wurde der deutsche Kultureinfluß vornehmlich durch die seit dem Ende des 17. Jahrhunderts eingewanderten Bauern begründet. Dies geschah sicherlich nicht mit der Absicht einer von den Madjaren den Habsburgern unterschobenen Tendenz, Ungarn zu germanisieren, wohl aber entsprach diese Berufung deutscher Bauern sicherlich der habsburgischen Hausmachtpolitik. Auch achteten die kaiserlichen Behörden darauf, nur Katholiken zum Siedlungswerk zuzu­lassen. Ganz allgemein sei festgestellt, daß alle deutschen Zuwanderer im Kar­patenbogen in einer zumeist überwiegend fremdsprachigen Umgebung nicht nur Lehrmeister, sondern auch Förderer der weiteren wirtschaftlichen Ent­wicklung waren. Nach dem Jahre 1800 zogen viele deutsche Handwerker auch nach dem Fürstentum Serbien und in die Donaufürstentümer, nament- ilch in die größeren Städte. Was in den Städten des Südostens an geistigen und künstlerischen Interessen wach wurde, war stets auf Wien angewiesen. Von dort kamen die Ansprüche auf verfeinerte Lebensgestaltung, nicht zu vergessen das im Wiener Stil geführte Kaffeehaus mit aufliegenden deut­schen Zeitungen. Damals wurden zum Beispiel Agram und Temeschburg sogar als „Klein-Wien“ bezeichnet. Diese von den Madjaren mitunter miß­liebig bemerkte Nachahmung dauerte bis weit über den Vormärz hinaus. Was die Geltung der deutschen Sprache im Südostraum anbelangt, so widerlegt der Autor auch hier die von den Madjaren der Wiener Regierung angelastete Germanisierungstendenz. Es ist wohl richtig, daß unter Josef II. und unter Franz Joseph von 1849 bis 1859 die deutsche Verwaltungs­sprache gefördert wurde. Bei der Wiederbesiedlung der vom Türkenjoch befreiten Gebiete ließ der Wiener Hof aber Schulen für alle eingewan­derten Volksgruppen errichten, nicht nur für die deutschen. Bei der im allgemeinen nach Deutschland gerichteten Orientierung ließen die ver­mögenden Familien Ungarns — sogar die serbisch-orthodoxen — ihren Kindern deutschen Sprachunterricht erteilen. Leider erwähnt der Autor nicht die vorzüglichen deutschen Schulen in Siebenbürgen. Sie dienten wohl in erster Linie zur Unterrichtung der Sachsenkinder, wurden aber auch gerne von bildungshungrigen Rumänen besucht. Ebenso vermißt man in der Darstellung das hochentwickelte deutsche Schulwesen der kroatisch- slawonischen Militärgrenze, das nur von serbokroatischen Kindern frequen­tiert wurde und als Erfolg hatte, daß alle Grenzer deutsch konnten. Im Gegensatz zu den sehr gründlich durchleuchteten serbischen, rumänischen und madjarischen Problemen erscheint das kroatische überhaupt etwas stief­mütterlich behandelt; und doch zeigten sich gerade die Kroaten am meisten für die deutsche Kultur empfänglich, wie ja auch der Autor die Bedeutung der deutschen Kommandosprache in der Militärgrenze eigens hervorhebt. In einem andern Kapitel nimmt Valjavec nochmals Bezug auf die Aus­strahlung der Aufklärung auf das Schulwesen. So betont er die staatliche Förderung der Volksbildung für die Serben und Rumänen, die Vermehrung der Mittelschulen und die Hebung des geistigen Niveaus der Pester Uni­versität. Gedenkt man noch des bedeutenden Aufschwunges des privaten Erziehungswesens, der Schaffung von Fachschulen und der Errichtung von Kindergärten, so gewinnt man das Bild eines wenn auch verbesserungs­

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