Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 527 festesten Klammer, der alten Armee, den gebührenden Nachruf gehalten. Gewiß darf man in dieser „Überschau“ weder Ausführlichkeit noch fachliche Kritik suchen; solche Wünsche sind auf das amtliche Werk zu verweisen. Weiters mußte es eine selbstverständliche Forderung sein, allen Fronten dieses Krieges in gleicher Weise gerecht zu werden. Die unserem Interesse am nächsten liegenden Ereignisse an der Alpenfront würden wohl eine ausführlichere Darstellung in einer weiteren Veröffentlichung ver­dienen, um das Bild dieser einzigartigen Abwehr festzuhalten und um auch der Legendenbildung von jenseits unserer Grenzen entgegenzuwirken, die sich um die bis in die letzten Tage des Krieges erfolgreiche Verteidigung heimatlichen Bodens zu ranken beginnt. Walther Ernst Heydendorff (Wien). Kulturgeschichte. V a 1 j a v e c Fritz, Geschichte der deutschen Kulturbeziehungen zu Südosteuropa. III. Bd. (Bd. 43 der Südosteuropäischen Arbeiten.) 374 Seiten. München 1958. Von dem auf vier Bände veranschlagten monumentalen Werk des wegen seiner zahlreichen Arbeiten über Südosteuropa in hohem Ansehen stehenden Autors ist nach dem I. Band, der das Mittelalter, und dem II., der die Reformation und die Gegenreformation behandelte, im Jahre 1958 der III. Band erschienen. Er hat die deutschen Kulturbeziehungen zu Südost­europa im Zeitalter der Aufklärung und des Absolutismus zum Gegen­stände, also in jener Epoche, die von der Vertreibung der Türken durch die siegreichen kaiserlichen Heere aus Ungarn bis zur Revolution von 1848 reicht. Hiebei ist die Aufklärung die erste westliche Geistesströmung, die in den byzantinischen Kulturkreis des Südostens eindrang und — begleitet von Veränderungen auf wissenschaftlichem, literarischem, künstlerischem, politischem und gesellschaftlichem Gebiet — eine kulturelle Umschichtung von größter Tragweite bewirkte. Als Grundmaterial für diesen Band diente Valjavec eine imposante Fülle von Einzeltatsachen, die schon in den über 1800 Literaturhinweisen ihren Ausdruck findet. Durch eine wohldurchdachte Stoffgruppierung wur­den diese, vielfach fremdsprachigem Schrifttum entnommenen Fakten nach Kultursparten zusammengefügt und geben dann ein Bild eindrucks­voller Geschlossenheit. Die Aufnahmebereitschaft für deutsche Kulturschöpfungen war in den einzelnen Landschaften des Südostens recht verschieden; am besten in der Theißgegend und in Siebenbürgen. Im erstgenannten Raum nahm der Zu­strom von deutschen Handwerkern, Balbierern, Ärzten, Musikanten und sogar Artillerieoffizieren erst nach der Vertreibung der Türken zu. Vorher war die Einwanderung nur Kálvinéra gestattet, was auch erklärt, weshalb die reformierte „Große Kirche“ gerade in Debrezin ihren Sitz hatte und diese Stadt zum „kalvinischen Rom“ erwuchs. In Siebenbürgen fanden die deutschen Einwanderer in den schon seit dem zwölften Jahrhundert hier ansässigen Sachsen, die aber vom Niederrhein und von der Mosel gekommen waren, einen festen deutschen Kulturboden vor, den sie dann noch festigten und verbreiterten.

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