Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

510 Literaturberichte diesen Stichen sind in dem Buche wiedergegeben. Auch William Watt, Swedish intelligencer, in London 1634 in vier Teilen erschienen, mit Augen­zeugenberichten von Offizieren der schottischen Regimenter in der Armee Gustav Adolfs, mit Briefen und Zeitungen aller Parteien, ebenso die hoch­interessanten „Memoires d’Estat“ des langjährigen französischen Ministers Villeroy, die in Paris 1665 ediert worden waren, sind noch nicht genügend kritisch ausgeschöpft. Der Autor entnimmt letzteren interessante französi­sche Urteile über die österreichisch-böhmischen Ereignisse des Jahres 1619 und plant in einer weiteren Arbeit, diese Memoiren einer eingehenden Be­handlung zu unterziehen. In der Anlage ist das Buch originell. Es besteht aus vier Teilen. Der erste bringt eine fortlaufende Darstellung des Aufstiegs des mächtigen Heerführers, der von Anbeginn als ein wenig erfreulicher Charakter be­zeichnet wird. Seine Betätigung als Konvertit und strenger Gegenrefor­mator wird nicht als religiös ernst angesehen. Dagegen bemüht sich der Verfasser, Ferdinand gegenüber den Vorwürfen der liberalen und prote­stantischen Historiographie zu rechtfertigen. Nach Quellen, die Pekaf veröffentlicht hatte, beginnt die Wallenstein- sche Schaukelpolitik auch bei Wagner wohl mit vollem Recht schon im Zeitpunkt der Annahme des zweiten Generalates. Die zögernde Kriegsfüh­rung, diktiert durch den unversöhnlichen Haß vor allem gegen Kurfürsten Max von Bayern, dann auch gegen den Kaiser, ist begleitet von Verhand­lungen mit den Feinden, wobei Wallenstein durchaus nicht nur als der Passive erscheint, dem die böhmische Krone nur angeboten worden sei, son­dern als der mit allem Ehrgeiz diese königliche Würde seines Landes An­strebende. Die knappen Skizzen der heißen Schlachten bei Nürnberg und Lützen zeigen die ausgesprochene Begabung des Autors für eine mitreißende Darstellung. Mit der Schlacht bei Lützen und einem kurzen Kapitel über Wallensteins grausamen Charakter wird diese Art der Schilderung beendet. Der zweite Teil bringt die dramatischen Ereignisse von 1633/34 in Kleindruck in Form einer Chronik, um auf diese Weise möglichst genau den so wichtigen zeitlichen Ablauf festzuhalten. Manches wird dadurch besonders plastisch. Der dritte Teil bringt Briefe und Dokumente von be­sonderer Wichtigkeit, u. a. die flämische Fassung (in deutscher Überset­zung) einer bisher nur in lateinischer Sprache bekannten Flugschrift von 1634: Friedlands Verradery ontdeckt, deren Verfasser der Jesuitenpater Julius Caesar de la Couture zu sein scheint (Srbik). Der vierte und letzte Teil enthält eine praktische Übersicht über die wichtigsten Publikationen zu dem Thema Wallenstein seit der frühesten Zeit mit eingehender Charakteristik besonders der älteren Werke. Eine Zeit- und Lebenstafel schließt das Büchlein ab, das bei einer unleugbaren Exaktheit bezüglich der Benützung des vorhandenen Materials, beinahe leidenschaftlich bestrebt ist, dem Recht auch in der öffentlichen Meinung der Nachwelt zum Sieg zu verhelfen und offensichtliches Unrecht zu ver­urteilen. Anna C o r e t h (Wien).

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