Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 509 boten, — aber es „überholt ... die früheren Werke der englischen und französischen Literatur“ (Klappentext) keineswegs, sondern regt vielmehr an, dieses stürmische Leben und seinen Konflikt mit der damaligen Proble­matik der englischen Politik, die sich in diesem Fall zu einer des politi­schen Mordes überhaupt — und etwas anderes war die Hinrichtung Maria Stuarts wohl kaum — ausweitet, erst recht noch einmal zu überdenken. Hanns Leo Mikoletzky (Wien). Wagner Georg, Wallenstein, der böhmische Condottiere. Ein Lebensbild mit zeitgenössischen Dokumenten (Österreich-Reihe, Bd. 59/61), Bergland-Verlag', Wien 1958. 225 Seiten, brosch., 5 Abb. Nachdem die uralte Kontroverse über die Beurteilung Wallensteins zu­letzt in dem Ringen der beiden großen Historiker Pekar und Srbik aus­getragen worden war, wobei durch beide Forscher sehr wesentliche neue Quellen erschlossen und Erkenntnisse gewonnen worden sind, nachdem auch wichtige Fragen durch Funde Jedins und Bergls geklärt werden konnten, wird nun abermals zu dem faszinierenden Thema das Wort ergriffen. Es kommt dem Verfasser darauf an, die Schuld Wallensteins als eines Empörers gegen die geheiligten Ordnungen nochmals eindeutig klarzu­legen. Ist heute die Verratsabsicht des Feldherrn längst schon undiskutierte Tatsache, so lehnt es Wagner strikte ab, hiebei Wallenstein ideale Ziele zu­zuschreiben, etwa einen Friedensplan — er wäre denn zu seinem eigenen Nutzen —, geschweige denn eine deutsche Politik. So stellt sich der Ver­fasser grundsätzlich und entschieden gegen die bisherige protestantische und national-deutsche Richtung, auch gegen Srbik, der den Feldherrn im Hinblick auf sein „wertvolles Endziel“, aber auch wegen des Unverständ­nisses des Wiener Hofes ihm gegenüber entschuldigt und eine Clique von Spaniern und Jesuiten, vor allem aber Piccolomini für die Entstehung des Urteils verantwortlich macht. Für Wagner hingegen ist ein Verrat am Kaiser an sich unentschuldbar. Wallenstein scheiterte auch nicht an seinen persönlichen Feinden, sondern an der eben noch sehr festgefügten, im Methaphysischen verankerten Weltordnung, gegen die er mit seinem luci- ferischen, von Machthunger getriebenen Geist die Hand anlegen will. Erst die sichtliche Bedrohung dieser Ordnung habe die Feinde auf den Plan gerufen und ihnen Gehör verschafft. Es wird sehr klar und richtig dargelegt, daß Wallenstein zwar ein genialer Organisator des Heeres war, aber trotzdem nicht bloß „sein“ Heer war, da er für die Aufstellung der Armee vom Kaiser, der ihn schon mit reichen Herrschaften bedacht hatte, weiterhin Gelder um Gelder ver­langte und erhielt. Wallenstein wird als böhmischer Condottiere gezeichnet, in ähnlicher Art, wie bereits bei Pekar, dem der Autor weitgehend, auch in der kritischen Beurteilung mancher Quellen, folgt. Neue Archivalien bringt er nicht heran, jedoch kann er auf fast vergessene oder stark vernach­lässigte alte Druckwerke verweisen und manches daraus schöpfen: vor allem ist in dieser Hinsicht das Werk des Nicolaes de Clerck, Princelyck Cabinett, das 1625 in Delft erschienen war und porträtgetreue Kupferstiche der bedeutsamsten Persönlichkeiten der Zeit enthält, zu nennen. Vier von

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