Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
508 Literaturberichte ungelenk und zu wenig reizvoll waren (S. 144 f.). Was hätte er gesagt, wenn er ihre folgenden Gedichte (S. 208 1. u. a. O.) gelesen hätte! Man hätte der Königin wahrscheinlich nicht einmal dann einen guten Dienst erwiesen, wenn die Übersetzungen wirklich Nachdichtungen geworden wären. Im übrigen sind die Sonette, obwohl es der Klappentext behauptet, keineswegs „zum erstenmal ins Deutsche- übertragen, da Stefan Zweig (Maria Stuart, 1951, S. 195 ff.) gleichfalls größere Teilproben brachte. Hans Reisiger hat in der Einleitung zu seiner Verdeutschung der Briefe Elisabeths (1938) gefragt, wie sich der Übersetzer zu verhalten hätte, „erstens zu diesem weitläufig verschachtelten Stil, zweitens zu diesen abrupten Dunkelheiten“. Er meint, es wäre unzulässig, um der Deutlichkeit des Inhalts willen den Stil zu verfälschen, aber „man darf allenfalls das Gewirr da und dort ein wenig lockern und ordnen“. Dennoch klingt bei ihm ebenso der Reiz des Originals und der eigenwilligen Schreiberin auf, wie die Möglichkeiten der deutschen Sprache mitschwingen. Die größte Crux aller Maria Stuart-Biographien bilden jedoch die Kassettenbriefe, die seit Breßlau die Mehrzahl der Forscher, aber auch Stefan Zweig aus inneren Gründen wohl mit Recht für echt halten (vgl. Zweig S. 193 f.). Aus inneren Gründen deshalb, weil die Originale nicht mehr existieren. Dr. Doublier hält an der alten Version fest, daß Jakob VI. (I.) diese seine Mutter kompromittierenden Dokumente vernichtet haben soll (S. 143), obwohl schon Breßlau (Historisches Taschenbuch. 6/1. 1882, S. 29 f.) darauf hinweist, es handle sich hierbei um eine bloße Vermutung, „für welche niemals auch nur der Schatten eines Beweises erbracht worden ist“. Die ganze Deutung der Persönlichkeit Maria Stuarts und damit der Wert jeder Arbeit über sie hängt von der Stellungnahme des Verfassers zu diesen Briefen ab: ihr Schicksal, ihre Schuld oder Unschuld sind in ihnen beschlossen. Gerda Doublier geht an den Kassettenbriefen vorüber: sie überläßt das Urteil, ob Maria Stuart Opfer oder Sünderin war, dem Leser. Denn man kann „die Fälschung oder Echtheit dieser Briefe bis jetzt nicht eindeutig erweisen“ (S. 146). Es hätte aber gerade hier ausnahmsweise keine Zusammenfassung der Ergebnisse der Forschung in einem drei Seiten langen Resümee (als „Anhang"! S. 143 ff.) gegeben werden dürfen. Denn der Sinn einer Biographie besteht in der möglichsten Aufhellung des Unklaren. Bereits Breßlau betont (a. a. O. S. 31): „Wer ein neues Buch über Maria Stuart schreiben wollte, von dem kann man verlangen, daß er mindestens so weit seine Quellenstudien ausdehnt, um sich für die Untersuchung über diese Frage, der er einen eigenen Excurs widmet, nicht bloß auf die Wiederholung von Angaben beschränken zu müssen“. Auch Schiller, dessen tiefe Kenntnis des Prozesses in fast wörtlichen Anklängen der 7. Szene des 1. Aufzuges zu Tage tritt (vgl. dazu Doublier S. 256 u. a. 0.), weicht dem Problem seiner Heldin nicht aus: „Den König, meinen Gatten, ließ ich morden — Und dem Verführer schenkt’ ich Herz und Hand“. Aber Tiefgang ist bedauerlicherweise nicht Sache des vorliegenden Buches. So stellt es, dessen Bildschmuck bis auf zwei Porträts (S. 48: Maria Stuart als Königin von Frankreich, und S. 240: Elisabeth von England) recht glücklich gewählt ist, eine überdurchschnittlich fleißige Arbeit dar, — nur deshalb schien eine so eingehende Auseinandersetzung damit ge