Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 507 von den Initialen Franz II. die Rede: es stand aber nur ein F auf der Kassette. S. 182 steht „Flatu“ statt „flatu“. S. 205 fehlt dem „Laufe“ das f. S. 212 heißt es „in Kirchenbann“ statt „im“, S. 232 „ich bin nichts wie ein Leib“ statt „als ein Leib“, S. 244 „Trotzdem Curie und Nau“ statt „Obwohl“, S. 247: die „Frau ihres Sekretärs Curie, die soeben ein Kind bekommen hat und der sie verspricht, sich bis aufs äußerste für dessen Freilassung einzusetzen“ statt „für die Freilassung ihres Gatten“, S. 279: „in Seufzern sich neigend“ statt „mich“ etc. Falsch ist die ständige Ver­bindung des Titels Sir mit dem Zunamen: Sir Knollys statt Sir Francis S. 172 f., Sir Paulet statt Sir Árnyas S. 245, 250, 255, 269, 273, 285, Sir Parker statt Sir Edward S. 253. Die Schreibung der Personennamen ist auch eine eigene Frage: Poulet, wie er sich selbst nannte und wie Stefan Zweig schreibt, oder Paulet, wie Schiller und Gerda Doublier schreiben (freilich schreibt Schiller auch gelegentlich „Lester“ für „Leicester“;, Melville oder Melvil u. ä. Warum heißen Melvil (oder Melville) James und drei Könige von Schottand Jakob, Eduard VI. aber Edward und die vier Marien „Mary“ ? Wichtiger als diese Flüchtigkeiten sind bei einem Werk, dessen Haupt­bedeutung in der Übersetzung und damit Nahebringung fremder Literatur liegt und nicht in eigener Forschung, die Verdeutschungen. Es ist zweifel­los, daß Dr. Gerda Doublier, seit Jahrzehnten Beamtin der Österreichischen Nationalbibliothek, perfekt englisch und französisch spricht. Aber es ist auffallend, daß etwa die besten Nachdichtungen aus dem Chinesischen von Hans Bethge stammen, der kein Wort chinesisch verstand. Übersetzen bedeutet eben nur in der Schule wirklich Wort für Wort übertragen. Nach­her sollte es eher einfühlen heißen. Man will dann eben einfach nicht mehr merken, daß eigentlich eine fremde Sprache zu uns spricht, und sieht ungern, wenn das Relativpronomen ständig mit „welcher, welche, welches“ wiedergegeben wird, als säße man vor Caesars „Gallischem Krieg“, oder daß Dr. Doublier meint, die willkürliche Umstellung von Wörtern machte schon ein Gedicht aus: „Ich bitte Gott, jene zu bessern“ (S. 107, vgl. auch Elisabeths Rede S. 91) ist eine ebenso typische wörtliche Übertragung wie das unverständliche „Leutnant-General“ oder wie „Ich alle sie an Härte überrage“, „Man trägt mich unerreicht an Kunst und Wert, — Den Dia- menten ohne seinesgleichen“ (S. 65), „Und sagt Euch dennoch, wie sie liebt Euch jetzt“ (S. 163), „Wenn ich vielleicht bin allzu weit gegangen“ (S. 165), „Erst fürchtet’ ich, daß von mir abgewendet — Ihr zärtlich Herz, dem man Verleumder sendet, — Daß Ihr vergessen, mich die Angst befiel“ (S. 166) etc. etc. „Freuden — bezeigen“ ist kein Reim (S. 161). „Depo­situs“ (in Bezug auf die Kreuzabnahme) kann man nicht mit „nieder­gelegt“ wiedergeben, obwohl es natürlich richtig ist (S. 234). „Mich in so tiefe Grube zu versenken“ (S. 239), ist unschön. S. 266 wird Egerton der „Betreiber des Prozesses“ genannt, was wohl auch auf eine zu wörtliche Tradierung zurückgeht: er war der Staatsanwalt (S. 266). Und endlich, auch wenn der Betende in England seinen Gott höflich distanziert mit „Ihr“ anspricht („Sendet, o Herr, Euren Heiligen Geist“: S. 283), so ist das im Deutschen doch nicht üblich. Was die Sonette anbelangt, hat Ronsard seinerzeit ihre Echtheit bezweifelt, weil sie ihm für seine Schülerin zu

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