Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

506 Literaturberichte man, wie der Klappentext verheißt, „mit breiten, sicheren Strichen“ den Hintergrund entwirft, sollte man darauf achten, daß die Striche nicht zu breit ausfallen und vor allem nicht bloß Striche bleiben und „sicher1- sind. So wird mit großer Akribie das Leben der Schottenkönigin vor uns zwar entrollt, aber es wird nirgends in die Tiefe gedrungen und nirgends der Versuch unternommen, offene Fragen zu klären. Wo Gerda Doublier sich um Deutung bemüht, hätte sie es im eigenen wie im Interesse ihrer Heldin und des Lesers lieber bleiben lassen sollen, wie das überflüssige und sogar aus dem Rahmen fallende Kapitel „Marias Weltanschauung“ beweist. Auch wenn sich (selten) Charakteristiken einzelner Persönlichkeiten finden, sind sie meist äußerlich wie die des Kardinals von Lothringen (S. 36 f.), der doch in Wahrheit sicher ganz anders war. Die Wirkung des vollzogenen Urteils auf Elisabeth wird so geschildert, als ob die Königin tatsächlich darüber entsetzt gewesen wäre (S. 285). Gewiß finden sich auch kultur­historische Details, aber sie fallen nur am Rand gleich den oben erwähnten Persönlichkeiten wie vom Himmel. Sie bieten — gelegentlich sogar mit denselben Worten (die französischen Decken: S. 63, 77; die Kenntnis der englischen Sprache: S. 192, 227) — manches Bemerkenswerte, sagen aber nie, warum etwas so und nicht anders war. Der durchschnittliche Leser er­fährt nicht, warum die Ehe mit Darnley eine Mesalliance gegenüber einer mit Leicester war (S. 86), was eine Matrimonialkrone ist (S. 94), wie das Bildungsniveau der Zeit war (S. 112) oder warum das „echte Kind der Renaissance“ nur ungern lateinisch las (S. 206). Sogar über einen nicht uninteressanten Punkt, über die Haarfarbe der Königin, werden wir im Dunkeln gelassen, obwohl eine Frau über eine Frau schreibt. Denn S. 23 hat Maria Stuart „feines, blondes Haar“, S. 47 ist sie kastanienbraun und S. 84 aschblond. Die Verfasserin folgt sicher getreulich den in ihrer Lite­ratur angeführten Angaben, sie hätte aber, wie oben angedeutet, nicht bloß hier ruhig eine eigene Meinung haben, sondern auch vereinheitlichen dürfen. Ebenso steht es übrigens mit dem Milzleiden der Königin, das S. 30 als Folge der unzweckmäßigen Ernährung und S. 104 als Folge der Entbindung hingestellt wird. Wenn wir gleichzeitig darauf hinweisen, daß der Bluterguß in den Magen nicht „Hämatamesis“ (S. 105), sondern „Hämatemesis“ heißt, dann sind wir bei dem Problem der Druckfehler, das bei einem wissenschaftlichen Werk nie ganz unbedenklich ist. Es be­ginnt sich schon auf S. 7 bemerkbar zu machen, wo die erste Gemahlin Philipps II. von Spanien „Eleonore von Portugal“ statt „Maria“ genannt wird. Das ist im Maximilian-Jahr vielleicht erklärlich, sollte aber im Per­sonenverzeichnis S. 312 nicht wiederholt werden. S. 23 hat Chartres einen überflüssigen Circonflexe. S. 56 befindet sich Maria Stuart in dem Trauer­gedicht für ihren verstorbenen Gatten „auf einem Ort“, was kein beson­ders poetischer Aufenthalt ist und „an einem Ort“ heißen dürfte. S. 58 steht „Katharina von Medieis“ statt „Katharinas von Medici“. S. 63, 213: Elisabeth war nicht Marias Tante und Maria nicht ihre Nichte (S. 83). S. 121 bekleidet Bothwell „jetzt den Rang eines Leutnant-Generals“, obwohl er das schon S. 104 war. S. 123: „Er wendet sich an ... Russel, zweiter Earl“ statt „zweiten“. S. 164: „Ihr zweifelt an meine Beständigkeit“ statt „meiner“. S. 177 wird Dalgleish zweimal „Dagleish“ genannt. S. 177 ist

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