Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 505 Doublier Gerda, Maria Stuart. Ihr Leben als Königin und Frau. Hermann Böhlaus Nachf., Graz-Köln 1959. 319 S., 13 Taf., 1 Stammtaf. 8«. Leinen ö. S 98.—. Über Maria Stuart ist schon viel geschrieben worden. An Einzelunter­suchungen, vor allem über die Kassettenbriefe, fehlt es nicht. Hier stehen noch immer die Bemühungen Harry Breßlaus, ihre Echtheit darzutun und nur eine Verfälschung des zweiten Schreibens zuzugeben, an der Spitze. Seine Auseinandersetzung mit Arnold Gädeke in der Historischen Zeit­schrift verdient bei aller Schärfe klassisch genannt zu werden. Dennoch gibt es bis heute auf deutscher Seite keine endgültige Darstellung des Lebens dieser umstrittenen und trotzdem so erklärbar menschlichen Herrscherin. Auch die eben erschienene Biographie von Gerda Doublier vermag — das muß leider vorweggenommen werden — diese Lücke nicht auszufüllen. Möglicherweise hat sich die Verfasserin, der wir zwei gut gelungene Ar­beiten über Hedwig Bleibtreu danken, doch zu viel zugemutet, möglicher­weise mußte das Manuskript — man wird diesen Eindruck gelegentlich nicht los — zu einschneidend und zu schnell gekürzt werden. Wer der zum König bestimmte Bourbon war (S. 51), erfährt man nur aus dem Index, was der Edinburger Vei-trag war (S. 73), überhaupt nie, der Haushof­meister Melvil wird S. 277 „noch immer von ihr ferngehalten“, obwohl sie sich schon S. 255 wieder auf ihn stützt Wichtige Personen werden als tot gemeldet, ohne daß sie gestorben sind (S. 57: die Königinmutter Marie von Guise; S. 125: John Knox), andere scheinen so auf, als wären sie längst aufgetreten, was aber nicht der Fall war (S. 78: James Melvil und Both- well; S. 114: „jener Robert Balfour“ ; S. 248: Paget). Nicht einmal die vier Marien werden namentlich eingeführt. Nichtsdestoweniger muß eine Beurteilung des Buches von der Absicht seiner Verfasserin ausgehen, Maria Stuarts „Leben als Königin und Frau“ zu bieten, was zwar wie eine Einschränkung klingt, aber eigentlich doch alles Maria Stuart Betreffende erwarten läßt, denn, obwohl auch ein diesbezügliches Vorwort fehlt, Maria Stuart war nichts anderes als Königin und Frau. Gerda Doublier hat keine Mühe gescheut, sowohl die ältere und neuere englische, französische und deutsche Literatur zu lesen und anmerkungs­reich zu verwerten (S. 289—307), als auch verdienstvollerweise in zwei ungedruckte Quellen, den Codex 8959 der Österreichischen Nationalbiblio­thek (Fuggerkorrespondenz) und die Lennox Papers der Univeristäts- bibliothek von Cambridge Einblick zu nehmen. Sie hat auch sichtlich einige der Schauplätze der Tragödie selbst besucht, obwohl es dem Rez., der einige der Gegenden kennt, unwahrscheinlich vorkommt, daß die Schiffe, die Maria Stuart auf der Fahrt nach Roscoff an Bord haben, „entlang der bretonischen Küste bis zur Loiremündung, vorbei an den blühenden Wiesen der Grafschaft Anjou und ihren Weinbergen, der Touraine mit den Schlös­sern Blois und Amboise“ fahren (S. 22). Um diese Schlösser vom Meer aus zu sehen, bedarf es wohl sehr guter Augen. Warum ist also doch nichts Endgültiges daraus geworden? Vielleicht weil die reiche Literatur eben nur gelesen wurde. Wenn man schon ein so anspruchsvolles Thema wählt, müßte man bei wörtlichen Zitaten — ins­besondere von Gesprächen — auf die Originale zurückgreifen, und wenn

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