Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

504 Literaturberichte Maximilian die burgundische Atmosphäre erstmalig kennenlernte. Werden, Erfolg und Problematik dieses jungen Herzogtums mit seinem Prunk und seinen Ansprüchen werden in einigen sicheren Strichen charakterisiert. Das dritte Kapitel, den Lebensabschnitt von der Reise zur Hochzeit nach dem Tod Karls des Kühnen bis zum Tode Marias umfassend, schildert äußerst lebendig diese Zeit des Reifens. Das eheliche Glück, der Besitz der Erbes muß erkauft werden durch Meisterung der politischen Krisen, des Kampfes mit Frankreich, der Finanznot des Staates. Für diese Epoche steht nun schon der Briefwechsel Maximilians selbst, besonders mit seinem Ver­trauten Sigmund Prüschenk, zur Verfügung, der die Stimmungen des Schreibers zu erkennen gibt, spontan und ungekünstelt. Die Geistesgegen­wart Maximilians, der in der Schlacht bei Guinegate 1479 durch Absteigen vom Pferde und Kampf mit den Fußtruppen die siegreiche Entscheidung herbeiführte, wird hervorgehoben und der Vorwurf, er habe den Sieg nicht ausgenützt, geprüft. Dieses rasche Erfassen der Lage und das unverzüg­liche Abändern vorgesehener Pläne ist für diesen Herrscher überhaupt charakteristisch. Es hat ihm Erfolge und Feinde gebracht. Ein Schlußkapitel schließlich setzt sich mit der Beziehung Maximilians zur burgundischen Hofkultur auseinander, wichtig vor allem deshalb, weil es der Neigung, allzuviel aus Burgund herzuleiten, einen Riegel vorschiebt. Der Autor ist der Ansicht, daß zwar die Hofwelt, die in Burgund besonders ausgeprägt war, die aber damals auch anderswo anzutreffen gewesen ist, im ganzen auf den jungen Maximilian einen Einfluß ausgeübt habe, daß dieser aber weniger in der Übernahme von Einrichtungen, — das burgun­dische Hofzeremoniell kam erst viel später über Spanien nach Österreich —, oder von literarischen Vorbildern für die biographischen Werke bestanden habe. Er hebt hervor, daß vielmehr die wesentlichen Richtungen im Denken Maximilians der eigenen Wesensart, seinen Erlebnissen und Kindheits­eindrücken entsprossen seien. In diesem Zusammenhang wird auch das verzerrte Bild vom entschlußlosen Bürokraten Friedrich III. richtiggestellt und auf das sehr positive Erbe der körperlichen Kraft und der Zähigkeit hingewiesen, die der Sohn wie der Vater besaß. Die leichte Ansprech- barkeit und Kontaktfähigkeit hingegen wird als Erbe der allzu unbekann­ten Mutter Eleonore vermutet. Maximilian hatte ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung. Indem der Autor gerade diese Eigenschaft näher betrachtet, kann er hier treffende Unterscheidungen machen: Die Anerkennung, die er sucht, liegt nicht im Rahmen der Hofkultur, wie dies in Burgund der Fall war, sondern auf den verschiedensten Gebieten des Lebens und der Künste. Maximilians Welt ist die offenere und realere. Der burgundischen Vorliebe für Sage und Mythologie steht bei ihm das echte Interesse für die Geschichte gegenüber, die seiner Familie zum Ruhm dienen konnte. Zum 500. Jahrestag der Geburt Maximilians erschienen, ist dieses kleine Buch durch seine vorzügliche Darstellungsweise geeignet, einen sehr wei­ten Kreis von Lesern anzusprechen. Der Historiker aber wird erkennen, wieviel an Quellenarbeit, Erwägungen und Kombinationen nötig war, um dieses abgerundete und wissenschaftlich exakte Bild zu schaffen. Anna Coreth (Wien).

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