Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 503 Maximilians „unsere Schritte noch unsicher sind“ und feststellt, daß nur in der „Aufhellung der Werdegeschichte“ die Möglichkeit liege, „die ganze unübersehbare Fülle dessen, was sich später in seinem Wesen findet, ord­nend zu verstehen“. Aber bisher seien meist Reichsgeschichten über seine Zeit, nicht eigentliche Biographien geschrieben worden, und sie begännen mit dem bereits fertigen Menschen. Diese Situation hatte sich bisher nicht geändert, denn die in jüngerer Zeit erschienenen Lebensbilder des Habs­burgers sind durchwegs nicht auf wissenschaftlicher Basis gearbeitet. So unternimmt der Autor mit Umsicht und mit dem Bewußtsein, damit den Grundstein zu der künftig zu schreibenden Gesamtbiographie zu legen, seine Aufgabe. Während für die späteren Epochen des Lebens Maximilians die Darstellung noch nicht möglich wäre, — es wird derzeit an der Edition der Quellen, die bisher unübersehbar sind, gearbeitet, — sind jedoch die nötigen Bausteine zur Geschichte der Jugend bereits greifbar, um geordnet und kritisch beleuchtet zu einem lebendigen Bild zusammen­gefügt zu werden. Dies ist nun in diesem kleinen Buch in einer vorbild­lichen Weise geschehen, indem sich der Autor nicht nur als Forscher, son­dern auch als Geschichtschreiber bewährt. Die Quellen über die erste Kindheit bieten köstliche Details entspre­chend der im späten Mittelalter vorhandenen Tendenz zur Realistik. Diese Quellen sind neben der Autobiographie Maximilians selbst vor allem die Austria des Cuspinian, die illustrierte Lebensbeschreibung Friedrichs III. und Maximilians von Joseph Grünpeck und Michael Beheims Buch von den Wienern bezüglich der schrecklichen Ereignisse, die der kleine Prinz während der Belagerung der Wiener Burg erlebt hat. Die Schilderung, die Maximilian selbst gibt, worin er sagt, er habe damals schon Freude am Kanonendonner gehabt und Schießpulver gesammelt, hat die Tendenz, auf die frühe Neigung zum Kriegshandwerk und auf die angeborene Tapferkeit hinzuweisen. Diese Richtung hatten auch schon die mit großem Erfolg und in neuartiger Weise herangezogenen Studienbehelfe gezeigt, worin der kleine Max z. B. in einem schulmäßigen Spiel eine Burg erstürmt mit dem Ruf: „Ich kümmere mich nicht um Wunden“. Doch könne dieser früh ge­weckte Zug zum Heldischen nicht über die seelische oder nervliche Krise hinwegtäuschen, die offenbar Maximilian als Kind durchmachte. Unter den erwähnten Schulbehelfen gibt das „Gesprächbüchlein“ des sehr geschickten Pädagogen Jakob, Rektors der Wiener Bürgerschule zu St. Stefan, den besten Eindruck von der Lehrmethode dieses Schulmannes, der allzu kurz den Unterricht des Erzherzogs versah. Die Beschäftigung mit den Studienbehelfen ergab überdies eine für die paläographische For­schung wichtige Entdeckung. Der Schreiber zweier Lehrbücher Maxi­milians war Wolfgang Spitzweg, Schreiber in der Reichskanzlei. Sein- Kanzleischrift kehrt, in monumentale Formen gebracht, im ABC-Buch als eine der hier festgelegten Musterschriften wieder. Interessant ist nun, daß eben diese Schrift im Jahre 1508, vermehrt durch einige Großbuch­staben, als Muster für die Drucktype des Gebetbuches verwendet wurde, von wo aus die Druckfraktur ihren Siegeslauf begann. Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels steht die Trierer Zusammenkunft des Jahres 1473 zwischen Friedrich III. und Karl dem Kühnen, bei welcher

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