Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

500 Literaturberichte Archivbehelfe und Archivbibliothek. Die Archivbehelfe scheinen die mei­sten Bestände bereits sehr ins Detail aufzuschließen. Übrigens ist hervor­zuheben, daß im ständischen Archiv bereits ab 1710 Teilinventare angelegt worden sind. Die „Übersicht“ ist mit viel Liebe und fundierter Sachkenntnis abge­faßt. So scheint sie mit ihren prägnanten historischen Einleitungen zu den Abschnitten und Unterabschnitten, dem ansprechenden Druck, gutem Pa­pier und haltbarem Ganzleineneinband, wenn man das Fehlen eines Regi­sters übergeht, den Wünschen aller Interessenten voll entsprechen zu können. Hanns Jäger - Sunstenau (Wien). Biographien. Lenzenweger Josef, Berthold Abt von Garsten. Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs 5. Linz, Verlag Hermann Böhlaus Nachf., 1958, S. XVI, 304. Von zahlreichen Versuchen, den in einer mittelalterlichen Vita ge­botenen Stoff in eine historisch-kritische Biographie umzugestalten, kön­nen nur relativ wenige als gelungen bezeichnet werden. Die prinzipiellen Unterschiede sind doch zu groß, als daß allein durch Hinzufügen eines ge­lehrten Apparates der Erbauungsschrift eine wesentlich andere Note ver­liehen werden könnte. Beim seligen Hartmann von Brixen, um ein neueres positives Beispiel anzuführen, ist dank den jahrzehntelangen Bemühungen A. Sparbers und dank der günstigen Quellenlage — auch außerhalb des hagiographischen Materials — der Schritt zur Biographie gelungen. Lenz- weger versucht in vorliegendem Werk bei Berthold von Garsten den glei­chen Weg zu gehen. Für den Leser und Benützer bietet der Autor die geradezu ideale Form eines Lebensbildes, denn das Werk enthält nicht nur Biographie, Ver­ehrungsgeschichte und Quellenkritik, sondern auch Editionen der Vita und anderer für das Leben des Abtes vorhandener Quellen nach strengsten Grundsätzen. Dabei stand Lenzenweger schon bei der Vitaedition, die auf des Editors philosophische Dissertation zurückgeht, beträchtlichen Schwie­rigkeiten gegenüber, wie ein Blick auf das Handschriftenstemma (S. 275) lehrt. Weder das 1173/81 entstandene Original noch die mit Sicherheit er­schlossene gleichzeitige Abschrift liegen noch vor; von diesen Deperdita ausgehend, wird ein äußerst kompliziertes Filiationssystem hypothetisch, jedoch mit verläßlichen Argumenten, unter Einschluß älterer Drucke re­konstruiert. Grundlage für die Textgestaltung bildet die Wiener Hand­schrift (CVP. 602) von 1203/18, wohl eine direkte Ableitung aus dem Original, doch werden im Apparat der Edition sämtliche abgeleiteten Handschriften und Drucke berücksichtigt. Besondere Erwähnung verdienen die eingehenden quellenkritischen Untersuchungen. Im biographischen Teil, der der Edition vorangestellt ist, versucht Lenzenweger mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Gestalt des seligen Abtes von Garsten dem Leser so lebensvoll wie möglich vor Augen zu führen. Da jedoch, abgesehen von Nachrichten über Herkunft und Ver­wandtschaft, — hier können neue Erkenntnisse vermerkt werden, — nicht- hagiographische Quellen fehlen, behilft sich der Autor mit verschiedenen

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