Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 501 Assoziationen. Die Kretschmersche Typenlehre wird in Verbindung mit erbaulichen Schilderungen der Vita und dem Exhumierungsbefund von 1677 zur Umschreibung des Persönlichkeitsbildes aufgeboten. Die Szenerie des Ordenseintrittes in St. Blasien ersteht nach den Sätzen der Benedik­tinerregel. Für die Abtzeit Bertholds kann aus den subsidiären Quellen, einer Traditionsnotiz, Annalenstellen und Nekrologeintragungen, lediglich die Existenz herausgelesen werden; für alles andere ist die Vita alleinige Grundlage. Und so fällt eigentlich für die Kulturgeschichte viel mehr an Äußerungen von Volksfrömmigkeit und religiösem Brauchtum ab als für eine historisch-kritische Biographie. Denn eine politische oder in weiteren Kreisen wirksame reformatorische Tätigkeit hat der fromme Abt auf sei­nen Lebensstadien St. Blasien — Göttweig — Garsten nicht entfaltet, und der mittelalterliche Autor der Vita fand sich daher auch keineswegs ver­anlaßt, den Aspekt seiner erbaulichen Schrift wesentlich in den Bereich des historischen Geschehens auszuweiten. Bedeutend ergiebiger in diesem Sinne erscheint der Überblick über die Verehrung, die noch im 12. Jahrhundert einsetzte und im Zuge zunehmen­der Popularität immer deutlicher Berthold zum Heiligen stempelte, bis 1236 von Seite des Ordinarius die — allerdings noch heute einer Sank­tionierung harrende — Kanonisation erfolgte. Und so stehen denn auch die Bemühungen Lenzenwegers in unausgesprochenem Zusammenhang mit den gleichzeitigen Kanonisationsbestrebungen, bieten aber in Edition und Darstellung zugleich eine willkommene Illustrierung der hochmittelalter­lichen Kirchen- und Kulturgeschichte Oberösterreichs. Gerhard Rill (Wien). Hirschfeld Peter, Markgräfin Agnes von Baden. Ein Beitrag zur Kultur­geschichte des 15. Jahrhunderts. Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins 34., Karl Waschholtz Verlag, Neumünster 1957. 248 Seiten. Eine selten günstige Quellenlage, zahlreiche Briefe und Zettel von der Hand der Markgräfin Agnes von Baden in den Archiven, die auf ihr Schicksal bezüglichen Kapitel der Dettmarer und Zimmerner Chronik ermöglichten es dem Verf., eine abgerundete Biographie dieser unglück­lichen Fürstin zu schreiben. Markgräfin Agnes von Baden wurde von ihrem Bruder Jakob I., dem regierenden Markgrafen, 1431 mit dem Herzog Ger­hard VII. von Schleswig verheiratet. 1432 entsprossen dieser Ehe Zwil­linge, deren Legitimität angezweifelt wurde. Herzog Gerhard trat diesen Gerüchten ein Jahr später entgegen, indem er in einer eigens ausgestellten Urkunde die Kinder für legitim erklärte, die Herzogin selbst unterzog sich einer Beschauung durch sachverständige Frauen. Nach dem frühen Tod ihres Gemahls begab sich die junge Witwe 1434 in ihre alte Heimat nach Baden zurück und verlobte sich dort gegen den Willen ihres Bruders mit dem hegauischen Ritter Hans von Höven. Sie mußte jedoch ihre Eigen­mächtigkeit mit einer 37jährigen, bis zu ihrem Tod 1473 dauernden Haft auf der Burg Alteberstein büßen. Soweit die äußeren Fakten dieses Lebens, Es ist nun das Verdienst des Verfassers, ein sehr lebendiges Bild der Markgräfin Agnes aus den Quellen heraus vor dem Leser erstehen zu las­sen; es ist ihm gelungen, die kulturellen Unterschiede Süd- und Nord­

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