Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 497 Zeit berührt, die als nicht wesentlich bezeichneten brutalen Zerstörungen während der Revolution, die Archivpolitik Napoleons im Zusammenhang mit seinem Plan eines europäischen Archivs, die oft unsachgemäßen Skar- tierungen jener Epoche und die Einteilung unter Mißachtung des „Respect des Fonds“, des Provenienzprinzips. Erschließung der Archive für die wissenschaftliche Forschung, Konservierung, Durchordnung und Kata­logisierung der Bestände, die dank dem Zentralismus in Frankreich sehr früh und sehr einheitlich durchgeführt wurde, die wissenschaftliche Aus­bildung der Archivare im Zusammenhang mit der Gründung der Ecole des Chartes werden als die Errungenschaften des 19. Jahrhunderts auf diesem Gebiet angeführt. In dem Abschnitt über Archivistik wird zunächst auf die Probleme um die zeitgenössischen Archivalien eingegangen. Eines dieser Probleme ist die Abgabe des Archivgutes, nicht nur vom Standpunkt des Archiv­raumes aus, sondern auch als Frage des Rechts und der Bereitschaft zur Ablieferung. Es wird hier ein Blick auf die Verhältnisse in anderen Staar ten geworfen, um dann auf die französische Zwischenlösung der Archiv­delegierten in den unabhängischen Ministerialarchiven einzugehen. Die Frage der Mikrofilmung von Beständen, die zur Skartierung oder Vernichtung bestimmt sind, wird aufgerollt und negativ entschieden. Mikroaufnahmen von Beständen seien sinnvoll zur Sicherung besonders wert­voller Archivalien, oder zur Ergänzung der Fonds des eigenen Archivs. Die Frage der Haltbarkeit ist bezüglich der Mikrofilme noch nicht endgültig zu beantworten, sie tritt bezüglich der Maschinschrift und der modernen blauen Tinte ernstlich heran. Weitere Gefahren durch Feuchtigkeit, Trockenheit oder Fäulnis werden gestreift, Feuersicherung, Verwendung von Metall- oder Holzstellagen, Restaurierung, kommen kurz zur Sprache. In dem Kapitel über Archive im Dienst der Geschichte wird über Be­nützungsbestimmungen, über Aktenentlehnung, die in Frankreich viel weniger großzügig als in österreichischen Archiven geschieht, Ordnungs­prinzipien, Katalogisierung gesprochen, wobei die Fi'anzosen zwischen état sommaire, repertoire numérique und inventaire sommaire unterschei­den, durch die ein Bestand zunehmend erschlossen wird. Einen zweiten Teil bildet die Übersicht über die Bestände der wichtig­sten europäischen Archive, wobei selbstverständlich das Hauptgewicht auf den französischen Archiven liegt, denen etwa die Hälfte des Platzes ein­geräumt ist. Gewiß sehr nützlich für die erste Orientierung ist das Ver­zeichnis der Serien mit Unterabteilungen des Nationalarchivs, sowie der in allen Departementarchiven analog durchgeführten Anordnung. Die vier unabhängigen Ministerialarchive, darunter das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und für nationale Verteidigung und Krieg, kommen viel kürzer weg. In kurzen Abschnitten wird dann ein Überblick über die wich­tigsten Archive der übrigen Staaten Europas gegeben, wobei der Platz vielfach zu knapp war, um die komplizierte Lage, etwa in Deutschland, wirklich darstellen zu können, oder um auf die erheblichen Kriegs- und Bombenschäden einzugehen, die dort Archive getroffen haben. Der öster­reichische Abschnitt müßte bei einer Neuausgabe hinsichtlich einiger Un­exaktheiten revidiert werden. Mitteilungen, Band 12 32

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