Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
Rezensionen 493 ausbruch 1939 gegen den Westen wandte, während Japans Verhältnis zu Rußland gespannt blieb. In der zweiten, 1941 beginnenden Phase des Krieges richtete Hitler sein militärisches Gewicht gegen die Sowjetunion, worauf Japan den Angriff gegen die Angelsachsen einleitete. Dort, wo eine Zusammenarbeit am ehesten möglich und erfolgversprechend gewesen wäre, gegen die UdSSR., kam sie nicht zustande. Im Anhang werden noch die einschlägigen Vertragstexte wiedergegeben. Da der Verf. in allen Phasen seiner Darstellung die Gesamtheit der historisch wirksamen Momente berücksichtigt, aber bei allem Eingehen ins Detail die großen Linien der Entwicklung immer wieder hervorhebt, ist die Lektüre dieses Werkes sehr anregend und für jeden, der sich über die diplomatischen Hintergründe des Zweiten Weltkrieges informieren will, unerläßlich. Rudolf Neck (Wien). Celovsky Boris, Das Münchener Abkommen 1938 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte Band 3). 518 Seiten. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1958. In der diplomatischen Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges nimmt die Beurteilung des Münchener Abkommens von 1938 eine eigentümliche Stellung ein. Im Hinblick auf die künftige Entwicklung, vor allem wegen des Wortbruchs Hitlers im Frühjahr 1939 wird das Abkommen als schwerer Fehler westlicher Appeasement-Politik bezeichnet, wobei freilich das militärische Kräfteverhältnis, das schon beim Anschluß Österreichs wirksam war, nicht berücksichtigt wird. Andererseits hat man — nicht nur in Deutschland — in der Regelung der sudetendeutschen Frage eine Wiedergutmachung eines alten, aus den Pariser Verträgen von 1919 stammenden Unrechts erblickt, eine Korrektur, die freilich zu spät und einem Vertragspartner zugute kam, mit dem es keine ehrliche Vereinbarung geben konnte. Dementsprechend ist auch die periodische Einstufung des Abkommens von München in zeitgeschichtlichen Darstellungen verschieden. Die vorliegende Studie geht auf eine Dissertation zurück. Sie zeichnet sich durch eine imponierende Fülle der benutzten Literatur aus, wenngleich sich der Verf. auch bei den diplomatischen Akten nur auf bereits publiziertes Material beschränkt hat. Als tschechischer Intellektueller hat er, wie er in seinem Vorwort bemerkt, zum Thema von Jugend an ein reges Verhältnis. Es ist selbstverständlich, daß schmerzvolles persönliches Erleben auf eine zeitgeschichtliche Arbeit abfärben muß, doch ist das vorliegende Werk durchwegs von echtem Bemühen um Objektiviät und um das Verständnis des Standpunktes des nationalen Gegners gekennzeichnet. Dennoch verdient der Mut des Münchner Instituts, das sich vollkommen darüber im klaren sein mußte, mit dieser Publikation in den Kreisen der Heimatvertriebenen unliebsames Aufsehen zu erregen, hervorgehoben zu werden. C. holt mit seiner Darstellung weit aus, indem er mit einem Überblick über das französische Sicherheitssystem in Europa beginnt und den tieferen Gründen des Zerfalls dieses Systems nachgeht. Bei der Rolle, die die Tschechoslowakei darin spielt, kommt der Verf. auch wiederholt auf die österreichische Außenpolitik zu sprechen. Hier wäre eine Untersuchung