Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
492 Literaturberichte mehr dem europäischen Faschismus verwandte Tendenzen durchgesetzt und die eigenen Agressionspläne zwangen das Kaiserreich in das Lager der Achsenmächte. Auch Deutschland wurde wieder zugänglicher in dem Maße, als sich der Krieg offensichtlich in die Länge zog. Man hoffte in Berlin, durch ein stärkeres Engagement Tokios die USA. vor einer Hilfe an England zu neutralisieren, wie man zuvor nur im europäischen Rahmen England von der Unterstützung Frankreichs zurückzuhalten versucht hatte. In Japan hatte man zunächst Sorgen, daß Amerika auch in Südostasien (Singapur) ein Zerstörergeschäft mit Großbritannien abschließen könnte. So brachte die Spezialmission Stahmers im Herbst 1940 das von beiden Seiten so lang angestrebte Ergebnis. Der Abschluß des Dreimächtepaktes bezeichnet aber auch bereits den Höhepunkt der deutsch-japanischen Entente. Es läßt sich schwer sagen, welcher Teil aus diesem Vertrag den größeren Nutzen zog. Zweifellos bestand sein Hauptzweck in der Abschreckung. Hier hat er aber gerade in den Vereinigten Staaten nicht die Hoffnungen der Unterzeichner erfüllt und Japan war gezwungen, sich seit Ende 1940 immer mehr der Sowjetunion zu nähern. Gerade hier aber zeigte der deutsche Überfall vom Juni 1941, wie wenig die beiden Staaten imstande und willens waren, ihre Politik und Strategie aufeinander abzustimmen. Wohl versuchte der japanische Außenminister Matsuoka nach der Rückkehr von seiner Europareise eine Wendung gegen Rußland, aber die Armee hatte sich bereits auf einen Angriff in südlicher Richtung festgelegt. Man hoffte zunächst, daß die deutsche Wehrmacht allein mit der Roten Armee fertig werden würde, und versuchte später wiederholt und nicht immer zur Freude Hitlers, zwischen Deutschland und der Sowjetunion zu vermitteln. Der Antikominternpakt wurde zwar im November 1941 verlängert, aber bezeichnenderweise ohne die militärischen Zusatzabkommen. Als die Japaner zum Angriff in Südostasien antraten, hatte sich die Situation für Deutschland durch den ersten russischen Kriegswinter grundlegend gewandelt. Tokios Kriegseintritt erfolgte unabhängig von seinen Verbündeten und die folgende Kriegserklärung Deutschlands an die Vereinigten Staaten war schließlich für Hitler nur noch eine Angelegenheit des Prestiges. Der Pakt der beiden Mächte als solcher war von geringem Wert, eine Zusammenarbeit ergab sich nur dort, wo tatsächlich gemeinsame Interessen bestanden. Zu Opfern war kein Teil bereit und eine strategische Koordinierung war — zum Unterschied von der Gegenseite — für Berlin und Tokio nicht möglich. So zeitigte das Bündnis für beide Teile mehr negative als positive Folgen. Schuld daran trug aber nicht allein der Egoismus und das gegenseitige Mißtrauen beider Mächte. Infolge der weiten Entfernungen und ungenügenden Verbindungen war auch eine kriegswirtschaftliche Zusammenarbeit, die wichtigste Grundlage einer modernen alliierten Kriegführung, nicht durchführbar. So eröffnet P. in seiner Untersuchung, die sich auch durch ihren klaren Aufbau und eine saubere, übersichtliche Gliederung auszeichnet, neue weltpolitische Aspekte. Die Unmöglichkeit, die beiderseitigen Pläne zu koordinieren, führte zunächst dazu, daß sich Deutschland beim Kriegs