Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 489 scharf profiliert hervortreten. Die amerikanische Erklärung vom 29. Mai 1918 ist zunächst nur das erste Glied einer Kette und die Entwicklung bis zur Auflösung der Habsburgermonarchie ist auch von da an noch kei­neswegs geradlinig. Doch gewinnt jetzt auch die Tätigkeit der Emigranten eine größere Bedeutung, namentlich durch die tschechisch-slowakische Einigung in Pittsburgh. Die Meldungen über die innere Agonie der Monarchie in den letzten Kriegsmonaten, als die militärsche Lage augen­scheinlich entschieden war, entsprachen sehr den traditionellen Sympathien in den USA. für die unterdrückten Völker in Mitteleuropa. Ob in der letzten Phase des Dramas nach der de-facto-Anerkennung der tschechoslowakischen Exilregierung durch die Vereinigten Staaten Wilson der sich überstürzenden Entwicklung in Ostmitteleuropa wirklich eher hilflos gegenüberstand, wie es bei M. erscheint, oder ob seine zögernde Haltung gegenüber der Kopflosigkeit in Wien nicht eher kühl berechnen­des Abwarten war, möchte ich dahingestellt sein lassen. Richtig ist jeden­falls, daß die Ereignisse innerhalb der Doppelmonarchie selbst den Aus­schlag gaben und daß diese Entwicklung nicht von den Emigranten be­stimmt wurde. Beim Zusammentritt der Friedenskonferenz war das Leben des Habsburgerreiches schon längst erloschen und jeder Wiederbelebungs­versuch hoffnungslos angesichts der Abneigung der Nachfolgestaaten, in irgendeiner Form eine neue Konföderation zu bilden. So wird man wohl den wesentlichen Ergebnissen dieser Studie zustim­men müssen. Die Selbständigkeit der Völker im Donauraum wäre 1918 ohne die Hilfe der westlichen Alliierten, ohne das militärische Gewicht der USA. nicht erreicht worden. Allerdings war die neue Ordnung den Rumä­nen, Tschechoslowaken und Jugoslawen nicht auf gezwungen worden, son­dern bedeutete für diese Nationen die Erfüllung langgehegter Wünsche, die ihnen vom Habsburgerreich Jahrzehnte hindurch verwehrt worden war. Für den Zerfall der Doppelmonarchie waren daher in erster Linie eigene, z. T. sehr weit zurückliegende Versäumnisse maßgebend. Was die Auflösung dieser wirtschaftlichen, politischen und auch kulturellen Ein­heit für die weitere Entwicklung bedeuten sollte, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Dem nachzugehen, war jedoch nicht die Aufgabe des vor­liegenden Werkes. Rudolf Neck (Wien). Pr esseisen Ernst L., Germany and Japan. A Study in Totalitarian Diplomacy 1943—1941. (International Scholars Forum 12) Martinus Nijhoff, The Hague 1958, X und 368 Seiten. Es ist jetzt gerade ein Jahrhundert vergangen, daß das japanische Kaiserreich, bald nachdem es unter äußerem Druck seine Isolierung auf­gegeben hatte, zum ersten Mal mit dem mitteleuropäischen Raum in nähere Berührung kam. Diese weltweiten Kontakte gelangten jedoch erst siebzig Jahre später zu ihrer universalhistorischen Wirksamkeit und haben, wie Arnold Toynbee hervorgehoben hat, im Zweiten Weltkrieg zu den ersten schweren Niederlagen des Abendlandes seit der zweiten Türkenbelagerung Wiens geführt, allerdings in der Folge auch zur ersten Besetzung Japans durch fremde Mächte seit vierzehn Jahrhunderten.

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