Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
490 Literaturberichte Die vorliegende umfangreiche Studie beschäftigt sich mit der Entstehung und dem Ausbau des deutsch-japanischen Bündnisses vor und im Zweiten Weltkrieg. Sie faßt dabei nicht nur die Ergebnisse der zahlreichen Einzelunternehmungen zu diesem Themenkreis zusammen, wofür der Verf. auch die vielen Zeitschriften, die sich mit der Geschichte dieser historisch, geographisch und kulturell soweit voneinander entfernten Gebiete befassen, durchgekämmt hat; P. erschließt vor allem auch als Hauptquelle die amerikanischen Protokolle der Kriegsverbrecherprozesse im Fernen Osten. Von der zwei Jahre vor diesem Buch im Druck erschienenen ausgezeichneten Dissertation von Inklé über dasselbe Thema, die allerdings einen kleineren Zeitraum umfaßt, unterscheidet sich die vorliegende Arbeit dadurch, daß sie das Schwergewicht der Untersuchung auf den deutschen Paktpartner legt. Der Verf., der offenbar nicht die japanische Sprache beherrscht, kennt u. a. nicht die inzwischen in englischer und deutscher Übersetzung erschienenen Memoiren Shigemitsus. Die Memoirenliteratur der deutschen Seite ist ziemlich vollständig berücksichtigt. Zunächst befaßt sich P. mit den geistigen Grundlagen des deutschjapanischen Bündnisses und weist auf die erheblichen Schwierigkeiten hin, die die Rassenideologie den nationalsozialistischen Politikern bereitete. Hier kam ihnen die geopolitische Schule Haushofers zu Hilfe, der schon lange vor Hitlers Machtergreifung eine engere politische Zusammenarbeit mit Japan befürwortet hatte. Auf japanischer Seite vertraten die maßgebenden Kräfte verschiedene außenpolitische Ziele. Während das Kabinett gute Beziehungen nach allen Seiten hin wünschte, die Nationalisten aber alles Westliche scharf ablehnten, hat man in der Armee schon früh die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Deutschland ins Auge gefaßt. Je mehr sich die Verschwörer und Geheimbündler des Offizierskorps gegenüber den zivilen Stellen durchsetzten, desto aktueller wurde für Japan auch das Bündnis mit dem Dritten Reich. Hier in Deutschland hemmten jedoch noch lange die Sympathien führender Kreise der Reichswehr und der älteren Garnitur der Diplomatie für China die Annäherung an das Kaiserreich im Fernen Osten. Immerhin schuf schon der Austritt beider Mächte aus dem Völkerbund eine gewisse Interessengemeinschaft und eine günstige Ausgangsbasis für eine engere Zusammenarbeit. Hier hätten (S. 47) die Memoiren Nadolnys, die über die Haltung Japans auf der Abrüstungskonferenz aufschlußreich sind, herangezogen werden müssen. Maßgebend für die Annäherung war jedoch zweifellos bei beiden Partnern eine weitgehende Geistesverwandtschaft in Bezug auf ihre politischen Ziele und Methoden. Diese bestimmte nicht nur die Anfänge, sondern auch die späteren Phasen des Bündnisses und war aber letzten Endes auch mit eine Ursache für die vielen Enttäuschungen auf beiden Seiten. Die erste nähere Fühlungnahme erfolgte im Zeichen gegen die Sowjetunion. Als Vertreter der japanischen Militärkaste fungierte dabei Oshima, auf deutscher Seite meist auf eigene Faust und unter Umgehung des Auswärtigen Amtes Ribbentrop. Dieser ist der maßgebende Befürworter des japanischen Bündnisses und wird von P. gut charakterisiert, wobei auf die Meinungsverschie