Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
488 Literaturberichte hin hoffte, Österreich-Ungarn vom Deutschen Reich zu trennen, nahm er zunächst gegen alle Auflösungspläne Stellung. Ihm schwebte damals noch ein Umbau der Monarchie auf der Grundlage der Autonomie vor, wobei er freilich über den Unterschied zwischen nationalen und historischen Grenzen im unklaren war. Entscheidend für die weitere Entwicklung war jedoch die Friedensfrage. M. weist darauf hin, daß die österreichischen Pläne für einen allgemeinen Frieden kaum weniger unrealistisch waren als die Hoffnungen Wilsons auf einen Separatfrieden mit Österreich- Ungarn. Dem stand nicht nur die Unnachgiebigkeit Wiens gegenüber den italienischen Forderungen entgegen, sondern auch der unbeugsame Wille Deutschlands, weiterzukämpfen. Österreich-Ungarn konnte keinen Separatfrieden gegen seinen mächtigen Verbündeten schließen. Die oft angezwei- felte, tatsächlich aber nie in Frage zu stellende Bündnistreue Kaiser Karls wurde letzten Endes durch die Lage erzwungen, in die sich die Donaumonarchie gebracht hatte, als sie den Weltkrieg entfesselte. Trotzdem hielten die Bemühungen des Präsidenten um Österreich- Ungarn auch nach der amerikanischen Kriegserklärung an Deutschland und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Wien an. Die Fäden liefen jetzt vor allem über die Schweiz. Von der Aktion Herrons findet sich in den amtlichen Wiener Akten wenig Niederschlag und es deutet manches darauf hin, daß Karl seinen Außenminister auch über die durch Vermittlung des spanischen Königs hergestellten Beziehungen mit Wilson nur ungenau informiert haben dürfte. Inzwischen wurden die USA. durch die Verschlechterung der militärischen Lage der Alliierten im Herbst 1917 immer mehr im Krieg engagiert. Während auch England zunächst noch nur die Ansprüche Italiens und Rumäniens unterstützte und die Donaumonarchie als geläutertes Gegengewicht gegen Deutschland und den Bolschewismus zu erhalten hoffte, bleibt Wilson in Punkt 10 seiner vierzehn Punkte bei seiner Autonomieforderung und verlangt für Italien nur Grenzverbesserungen, aber noch nicht die strategische Grenze auf dem Brenner. Daher war nicht nur Italien, sondern viel mehr noch Rumänien und die Jugoslawen über die vierzehn Punkte enttäuscht und die Bemühungen Wilsons, Deutschland von seinen Verbündeten zu isolieren, bargen die Gefahr einer Entfremdung der eigenen Alliierten in sich. So entschloß man sich in Washington endlich mehr aus technischen Gründen zur Kriegserklärung gegen die Monarchie als aus Rücksicht auf die Ermüdungserscheinungen in Italien. Der Präsident selbst gab jedoch seine Hoffnungen auf einen Sonderfrieden mit Österreich-Ungarn noch immer nicht auf. Die große Wendung in Wilsons Politik brachte dann erst das Frühjahr 1918. Nicht nur der Sixtus-Skandal, der eine sehr abträgliche Diskussion über die Zukunft der Donaumonarchie unter den Ententemächten auslöste, der aber den Präsidenten gegen beide Teile verärgerte, auch nicht die Abmachungen von Spa haben nach M. diesen Umschwung herbeigeführt. Es haben vielmehr dabei eine Reihe von Momenten mitgespielt, etwa die Ergebnisse von Brest-Litowsk und die Entwicklung des bolschewistisch-tschechischen Gegensatzes; das Hauptgewicht liegt bei Wilsons Mitarbeiter-Team, dessen entscheidenden Persönlichkeiten in dem Buch