Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
Rezensionen 487 kroatischer, rumänischer, englischer und französischer Sprache auf. Schon dies erklärt es, warum für eine solche Arbeit bei uns in Österreich die Voraussetzungen fehlen. Die österreichische Geschichtswissenschaft verfügt derzeit über keine Persönlichkeit, die mit so umfassenden Sprach- kenntnissen an die Geschichte der Donaumonarchie herangehen könnte. Bei den nicht publizierten Quellen beschränkt sich M. auf Material in den USA. und dies ist vielleicht der einzige Einwand von Bedeutung, den man gegen das Werk erheben muß. Es ist dagegen sehr zu begrüßen, daß der Verf. die einschlägige kommunistische Literatur nicht prinzipiell ignoriert, sondern sich an vielen Stellen mit ihr kritisch auseinandersetzt. M. behandelt eingangs die Nationalitätenprobleme der Monarchie bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Dabei beschäftigt er sich mit den Tschechen und Slowaken, den Südslawen, Rumänen und Italienern. Die polnische Frage bleibt also ausgeklammert. Im Laufe der Darstellung treten immer wieder folgende drei Faktoren in den Vordergrund: die offizielle Politik des Weißen Hauses, die Haltung der österreichisch-ungarischen Regierung und die Tätigkeit der Emigranten. M. erinnert mit Recht an die durch die viel ärgeren Greuel des Zweiten Weltkrieges in Vergessenheit geratenen Terrormaßnahmen österreichischen und besonders ungarischen Militärs gegen die Nationalitäten nach Kriegsausbruch. In den USA. hat dies die ohnehin geringen Sympathien für die Monarchie nicht gerade gefördert, zumal bald nach Kriegsbeginn die Emigrantenkreise eine rege Tätigkeit zu entfalten begannen. Wilson war, wie auch Arthur J. May in der Benedikt-Festschrift nachgewiesen hat, über die Verhältnisse in der Monarchie nicht uninformiért, man kann nicht einmal immer behaupten, daß er nur einseitig unterrichtet war. Die vorliegende Arbeit befaßt sich sehr eingehend mit der Persönlichkeit des Präsidenten, dessen Moralität oft mit einer gewissen Ironie gezeichnet erscheint. Hier kann nicht näher auf die Stellung des Verf. in der Wilson- Kontroverse innerhalb der amerikanischen Geschichtswissenschaft eingegangen werden, sondern nur auf das engere Thema des Werkes selbst. Bei Kriegsausbruch bestand nach M. innerhalb der Entente nicht die Absicht, Österreich-Ungarn zu zerstören, auch nicht von seiten der Russen. Erst die Entwicklung im Kriege führte zu solchen Plänen. Immerhin mußten die Ansichten des Präsidenten der zunächst neutralen Vereinigten Staaten für Nationalitätenreiche wie Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Rußland gefährlich erscheinen. M. gibt einen klinischen Befund der defekten Donaumonarchie als deren größten Totengräber er Franz Josef hinstellt. Aber auch Kaiser Karl erscheint mir etwas gehässig charakterisiert. Der Tätigkeit der Emigranten mißt der Verf. keine allzu große Bedeutung bei, auch als es Benes Anfang 1917 gelang, bei den Franzosen die tschechoslowakische Frage auf die Tagesordnung zu bringen, womit zum ersten Mal der Fortbestand der Monarchie in Frage gestellt erscheint. Czernin erreichte damals gegen diese Aktion noch eine Stellungnahme der Nationalitäten im Reichsrat, was in den USA. einen günstigen Eindruck machte. Ausführlich wird die Darstellung mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland. Da der Präsident weiter