Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

486 Literaturberichte ratur der Bücher ein, die die jüngste deutsche Vergangenheit aufrichtig und ohne falsche Sentimentalität überprüfen. Und es ist bestimmt nicht leicht, die eigene Niederlage, die doch letzten Endes die Niederlage des Vaterlandes war, ohne Ressentiment gegen die Siegermächte zu besprechen. Darin liegt das Verdienst dieses Buches. Der Standpunkt des Verfassers ist ein kleindeutsch-konservativer; daß auch von solch einem Gesichtspunkte eine „Revision des deutschen Geschichtsbildes“ durchgeführt werden kann, ist doch schon von Gerhard Ritter bewiesen worden; nur muß diese Tat­sache immer wieder, insbesondere außerhalb Deutschlands, unterstrichen werden. Allerdings sind einige Stellen in Göhrings Buch doch recht erstaun­lich. Darf man es dabei belassen, daß man sagt, Liebknecht und Luxemburg „blieben als Opfer“ (p. 136) des Spartakusaufstandes? Und wenn man schon von Bismarcks Bekenntnis zur „Rechtsbasis aller Politik“, von sei­ner Auffassung, „daß im Vertrauen allein die feste Grundlage zwischen­staatlicher Beziehungen gegeben sei“, spricht, wie kann man diese Grund­sätze „den beiden letzten an sich zwielichtigen Kanzlern der Republik“, Papén und Schleicher, zugestehen können? Und endlich, wie kann man noch heutzutage Hitlers Anschluß Österreichs von 1938 unter Berufung auf das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ (p. 268) verteidigen und die „über­wältigende Mehrheit“ der „Volksabstimmung“ vom 10. April als eine Bestä­tigung des deutschen Schrittes deuten? Zu diesem letzten Punkt sei noch, abgesehen von Einsprüchen allgemeiner Art, zu sagen, daß das Institut für Europäische Geschichte Mainz, Abt. Universalgeschichte, dessen Leiter Professor Göhring ist, mit seinen Veröffentlichungen über Österreich (Eichstädt, Preradovich) sich kaum in die Reihe derjenigen deutschen Ge­schichtsschreibung einreihen kann, die sich seit den Zwanziger Jahren bemüht hat, dem österreichischen Gesichtspunkt Verständnis entgegen­zubringen. Schade, wenn dadurch eine schöne Entwicklung beeinträchtigt werden sollte. Klemens von Klemperer (Northampton, U.S.A.). Mamatey Victor S„ The United States and East Central Europe 1914—1918. A Study in Wilsonian Diplomacy and Propaganda. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, 1957. XIII und 431 Seiten. Die wirtschaftliche und politische Entwicklung, die Ostmitteleuropa in den vier Jahrzehnten nach dem Untergang der Donaumonarchie im Jahre 1918 genommen hat, macht es verständlich, daß sich die historische For­schung immer intensiver mit den tieferen Ursachen jenes Ereignisses be­schäftigt. Die Arbeit wird nicht vereinfacht durch eine Fülle wissenschaft­lich verbrämter, polemischer Literatur, die von vornherein ex eventu, also unhistorisch, die Probleme behandelt und je nach dem revisionistischen oder antihabsburgischen (national oder sozial bedingten) Standpunkt den Ablauf der Ereignisse, die Motive der handelnden Kräfte und Personen untersucht. Das vorliegende Buch setzt sich die Aufgabe, der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika in der Tragödie der Habsburgermonarchie anhand des gesamten verfügbaren Materials nachzugehen. Das Literaturverzeichnis weist Titel in deutscher, tschechischer, italienischer, russischer, serbo­

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