Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780

Rezensionen 483 auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft einer Verlegung des Haupt­gewichtes des Studienbetriebes von den Vorlesungen in die Übungen die wichtigsten Voraussetzungen. Unseren Studierenden fehlen im allgemeinen die zahlreichen Kompendien und Handbücher, die den Studenten im Westen die Kollegien ersetzen. Ältere, z. T. nach dem letzten Krieg in Neuauflagen vorgelegte Unternehmungen dieser Art verfolgen andere Ziele und die Studenten sind bei uns oft auf aus schwer überprüfbaren Quellen stam­mende, primitive und fehlerhafte Skripten angewiesen. Das vorliegende Handbuch ist geeignet, hier Abhilfe zu schaffen. Dar­über hinaus sind, wie Gerhard Ritter als Herausgeber des gesamten Wer­kes, das in drei Teilen die Geschichte der Neuzeit umfassen soll, in seinem Vorwort bemerkt, damit gewisse politisch-erzieherische Ziele verbunden. Dies wurde gerade im vorliegenden Teil, der in zwei Bänden die Epoche von 1789 bis 1945 behandelt, voll erreicht. Das Werk ist in erster Auflage 1950 und 1952 erschienen und die vorliegende zweite Auflage wurde not­wendig, noch ehe die beiden ersten Teile der geplanten Reihe erschienen sind. Ihre Verfasser dürften es nicht einfach haben, wenn sie an die wissenschaftlichen Qualitäten der Arbeit von H. herankommen wollen. Gegenüber der ersten Auflage weist die zweite nur wenige Änderungen auf. Die beiden Teile sind in denselben Proportionen zueinander geblieben, d. h. daß die Zeit von 1890 an viel ausführlicher behandelt wurde. Wie es bei einem wissenschaftlichen Handbuch wohl unvermeidlich ist, richtet H. sein Bemühen weniger auf eine kontinuierliche Erzählung, als auf die Darstellung der Probleme. Dabei wird oft auch der Gang der Forschung sehr ausführlich behandelt. Im übrigen setzt der Verf. bei seinen Lesern ziemlich viel voraus. Im allgemeinen steht Deutschland im Mittelpunkt der Betrachtung, wenn H. auch stets um eine globale Sicht bemüht ist. So beginnt er seine Darstellung vor der französischen Revolution mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die preußische Komponente der deutschen Ge­schichte liegt dem Verf. besonders am Herzen, wiewohl ihm die Problematik dieser Tradition in der heutigen Bundesrepublik vollkommen klar ist. Gewisse Fehler der ersten Auflage wurden nunmehr ausgemerzt und jede berechtigte Kritik berücksichtigt. Die Anbringung von Kolumnen­titeln sowie die Einführung der Register für jeden der beiden Bände haben die Benützung des Werkes wesentlich erleichtert. Auch die Literatur wurde auf den neuesten Stand gebracht; doch möchte ich hier — obwohl ich mir über den notwendigerweise selektiven Charakter der Angaben in einem Handbuch im klaren bin — einige Zusätze für die zweifellos bald notwendigen Neuauflagen gestatten: im 1. Bd., S. 87, fehlen die inzwi­schen erschienenen Fortsetzungsbände von Cole; 2. Bd., S. 23 Hillers v. Gaertringen Tübinger Studie über die Memoiren Bülows; S. 63, Carlgren über Iswolsky und Aehrenthal; S. 88 f. Askew über den Tripoliskrieg; S. 107 wird nur die italienische Ausgabe von Albertini zitiert und nicht die gebräuchlichere englische; auf S. 119 sind die Angaben über den letzten Band des deutschen Generalstabswerkes nicht ganz richtig; S. 120 fehlt Ritters Werk von 1956 über den Schlieffen-Plan. Gegenüber der ersten Auflage hat H. auch gewisse abweichende Mei­31*

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