Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
484 Literaturberichte nungen berücksichtigt bzw. in der Literatur vermerkt (so z. B. die W. Mommsens über die Reichsidee um 1800). In Bd. 1, S. 17 f. wäre der Hinweis auf den Ursprung der Bezeichnung „Industrielle Revolution“ in einem Handbuch dahin zu ergänzen gewesen, daß es sich bei A. Toynbee nicht um den heute so bekannten Historiker handelt, sondern um dessen Oheim. Die Angaben über die Niederlegung der Kaiserkrone des alten Reiches und die Errichtung des Kaisertums Österreich (Bd. 1, S. 46) sind ungenau und sollten künftighin im Hinblick auf die in der Publizistik immer wieder auftauchenden Irrtümer durch eine genau datierte Reihung der Vorgänge ersetzt werden. Bei der Behandlung des Napoleonischen Zeitalters ist es für den Österreicher schmerzlich, den Namen von Andreas Hofer nicht einmal erwähnt zu finden. Hingegen sind die Einschränkungen zu Srbiks Metternich-Werk (1. Bd., S. 89) sehr zu begrüßen. Auch der Bemerkung im 2. Bd., S. 73, daß die Donaumonarchie im Ersten Weltkrieg „mit innerer Notwendigkeit am Ende ihres geschichtlichen Weges angelangt war“, wird man wohl zustimmen müssen. Die Schilderung des verhängnisvollen Juli 1914 ist im übrigen schlechthin meisterhaft, vor allem wegen der abgewogenen Beurteilung der Kriegsschuldfrage. Ob die Krise allerdings wirklich so gut erforscht ist, wie H. (2. Bd., S. 99) annimmt, wird namentlich dem Archivar fragwürdig erscheinen. Zu Bd. 2, S. 124 ist zu bemerken, daß Mussolini im sozialistischen „Avanti“ keine Interventionspropaganda entfalten konnte, wohl aber seit November 1914 im „Popolo d’Italia“. In der Zeit zwischen den Weltkriegen hätte man neben der geistigen Krise auch die ökonomische ausführlicher berücksichtigt sehen wollen. Die Darstellung der inneren Entwicklung Österreichs seit 1933 (Bd. 2, S. 313) trifft in vielem völlig daneben. Die vorstehenden Einwände können aber nichts an dem eingangs umschriebenen Gesamteindruck ändern. Es bleibt zu wünschen, daß das Gesamtwerk dem Niveau des vorliegenden Teiles entspricht. Mit vollem Recht haben die Herausgeber der Festschrift zum 65. Geburtstag des Verf. dieses Handbuch als erste deutsche wissenschaftliche Bewältigung der Epoche der bürgerlichen Nationalstaaten und des Zeitalters der Weltmächte und Weltkriege bezeichnet. Rudolf Neck (Wien). Göhring Martin, Bismarcks Erben 1890—1945. Deutschlands Weg von Wilhelm II. bis Adolf Hitler. Steiner-Verlag, Wiesbaden 1958. Ln., 386 Seiten, 14 Abb. In der neueren deutschen Geschichte besteht ein Materialienproblem nur insofern, als es zuviel Dokumente gibt. Allerdings ging vieles im letzten Kriege verloren. Doch haben Erbeutung (und jetzt Zurückstellung) der Archive durch die Alliierten, Veröffentlichungen aus den Beständen der selben Archive, dann auch das rege Interesse für Zeitgeschichte in Deutschland sowie auch im Auslande soviel Materialien zum Vorschein gebracht, daß der Historiker leicht in die Lage kommt, den Wald vor den Bäumen nicht zu sehen. Umsomehr ist darum eine Deutung nötig, die jene Materialien und die umfangreiche monographische Literatur über die neuere deutsche Geschichte bewältigt.