Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
482 Literaturberichte auf Bayern einer Waffenhilfe von 11.000 Mann versicherte, von demselben Frankreich, das im Jänner dieses Jahres mit Schweden den Vertrag von Bärwalde abgeschlossen hatte. Dieser Schritt Maximilians ist nur aus der Angst vor einer zu großen Stärkung der Kaisermacht und aus seiner Abneigung gegen Spanien zu erklären, das die Restitution der Pfälzer anstrebte. Mit Hilfe Frankreichs wollte er seine Eroberungen sichern. Maximilian hat für seine doppelzüngige Politik den, man ist versucht zu sagen, verdienten Lohn empfangen. Richelieu dachte nicht daran, ihn gegen Schweden in Schutz zu nehmen, als Gustav Adolf trotz der Bemühungen des Paters Joseph, die Schweden gegen die kaiserlichen Erblande zu hetzen, die Länder der katholischen Liga überrannte. Dem Bemühen Bayerns, seinem Bündnis Geltung zu verschaffen, antwortete man in Paris mit offenem Hohn. Das stärkere Schweden mußte in der Waagschale der ungleichen Verbündeten Frankreichs den Ausschlag geben. Der gedemütigte Kurfürst mußte ins Lager der Habsburger zurückkehren, wo seine Eskapaden keineswegs unbemerkt geblieben waren, gerade in dem Augenblick, als der verhaßte Friedländer sein zweites Generalat erhielt. Das Hauptverdienst der Arbeit liegt in der übersichtlichen, viel Neues bringenden Darstellung der verwickelten Ereignisse am und nach dem Regensburger Kurfürstentag 1630, während die Erzählung der Vorgeschichte etwas durch den phrasenhaften Stil beeinträchtigt wird. Der oft prononciert bayerische Standpunkt, der die zweifelhafte Haltung Maximilians nicht nur zu begründen, sondern hie und da auch zu beschönigen versucht, erklärt sich aus der Hauptquelle, den bayerischen Akten. Nicht einzusehen ist, warum in der knappen Literaturübersicht (S. 90) Gindelys Geschichte des Dreißigjährigen Krieges genannt wird, die nur bis 1623 reicht, während z. B. die gute Zusammenstellung von Wilhelm Mommsen, Richelieu, Elsaß und Lothringen, Berlin 1922, nicht erwähnt wird. Über Schweden wird außer dem fast 100 Jahre zurückliegenden Werk von Droysen über Gustav Adolf kein Werk genannt. Der zweite Band der ausgezeichneten Arbeit von Michael Roberts (1958) mit der umfassenden Bibliographie wäre hier unbedingt zu erwähnen. Auch bei den Quellen müßten neben Hallwich und dem bayerischen Aktenwerk selbst bei knappster Auswahl der Briefwechsel des Reichskanzlers Oxenstierna, von dem bisher schon 23 Bände erschienen sind, und die „Lettres, instructions diplomatiques et papiers d’Etat“ des Kardinals Richelieu aufgenommen werden. Hans Wagner (Wien). H e r z f e 1 d Hans, Die Moderne Welt 1789—1945. I. Teil, Die Epoche der Bürgerlichen Nationalstaaten 1789—1890 (XII und 260 Seiten), II. Teil, Weltmächte und Weltkriege, die Geschichte unserer Epoche 1890—1945 (VIII und 376 Seiten), 2., neubearbeitete Auflage, Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1957. Wenn seit dem Zweiten Weltkrieg immer mehr die Notwendigkeit einer Reform des Studiums an den mitteleuropäischen Hochschulen hervorgehoben wird, wobei man in den Geisteswissenschaften vielfach das westeuropäische, bzw. amerikanische Vorbild vor Augen hat, so fehlen zumindest