Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1638–1780
Österreich 475 155 1701 März 9, (Wien). Johann Baptista Bussi, Handelsmann, um Ankauf der bestellten Tapisserien für 2 Zimmer. B. hatte im Februar 1695 im Aufträge des Kaisers durch den Hofkontrollor des Obersthofmeisteramtes einen Auftrag für Lieferung von niederländischen Tapisserien in bestimmter Größe für 5 Zimmer erhalten. Die Tapisserien wurden geliefert und bei Hof zur Schau gestellt und vom Kaiser besichtigt, ohne daß jedoch bis heute ein Kauf abgeschlossen wurde. Inzwischen hat B. die Tapisserien für 3 Zimmer anderwärts verkauft. Die restlichen Tapisserien für 2 Zimmer haben wegen ihrer großen Ausmaße bisher keinen Käufer gefunden, obwohl B. sein Kapital darin investiert hat. Er bittet daher um Übernahme und Anweisung der Besoldung für diese bestellten Tapisserien. Gutachten des Hofkontrolloramtes bestätigt die Angaben des B. und die Notwendigkeit von deren Anschaffung wegen Mangels an Tapisserien bei Hofe. Res.: Placet. f. 165 v — 168 r. 156 1 701 Juni 1, Wien. Bescheid an Hofkontrollor über den Ankauf der bestellten Tapisserien für 2 Zimmer vom Handelsmann Johann Baptist Bussi (vgl. nro. 155) gegen vorherige Besichtigung des Erhaltungszustandes, wenn ein günstiger Preis vereinbart werden kann. f. 168 r. 157 1702 Oktober SO, Wien. Bescheid für Paul Strudl, Bildhauer, auf seine Eingabe, daß er das nächst dem „kay. bindtstadl“ gelegene Haus, das für erkranktes Küchen- und Kellerpersonal bestimmt ist, wegen der bestimmungsgemäßen Wiederverwendung zum Georgitag (24. April) 1703 nach Bezahlung des vereinbarten Zinses zu räumen habe. St. hat dort unerlaubt eine „hütten“ errichtet, die die Binder bei den Faßarbeiten behindere. Wenn St. für die in Arbeit befindlichen Statuen einen besonderen Raum oder Quartier brauche, solle er sich deswegen an die Hofkammer oder das Hofmarschallamt wenden. f. 338 v, 339 r. 158 1703 Februar 8, (Wien). Dominicus Burnacini, um die Truchseßstelle. B. ist ein Vetter des verstorbenen P. Marco d’Aviano und dem Kaiser vom früheren Nuntius, dem jetzigen Kardinal Santa Croce, empfohlen. Er will hier sein Talent vervollkommnen und sich auf Lebensdauer niederlassen. B. führt hier dem Kardinal Kollonitsch die italienische Korrespondenz. Das Gutachten weiß, daß B. vom Kardinal Kollonitsch, der ein naher Verwandter des verstorbenen P. Marco d’A viano ist, empfohlen wird. Die Familie Burnacini ist von gutem Adel und hat standesgemäße Ehen geschlossen, was Graf Lanthieri und Coronini bezeugen. B. ist „bey mittein“ und von „ansehentlicher guter leibsgestalt“ und es liegt beim Kaiser, ihn mit der Truchseßstelle zu begnaden. Res.: Bei dieser Beschaffenheit, Placet. f. 367 v, 368 r. 159 1703 März 16, Wien. Carl Christoph von Weissenau, Aufwärter beim hiesigen Stadtgarde-Regi- ment (sein Großvater soll im Schwedischen Krieg Obristlieutnant und Obrist gewesen sein), Johann Schmid, Maler (bittet schon 11 Jahre um eine kaiserl. Gnade), Ambrosius Fux, kaiserl. Untertapezierer und Johann Pirch- ner, Obertapezierer, u. a. um die Saaltürhüterstelle. Gutachten: von Weissenau ist ein Goldarbeiter, und bei der Stadtgarde schlecht beschrieben. Er hat sich schon bei der letzten Vakanz um diese Stelle beworben, der Kaiser lehnte ihn ab. Schmid ist unbekannt. Res.: Der Kaiser verleiht dem