Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

SPRUNCK, Alphonse: Zwei österreichische Forschungsreisen aus der Zeit Josephs II.

420 Alphonse Sprunck verweilte noch in Charlestown. An van der Schot, den Obergärtner von Schönbrunn, sandte Prettermayer gleich einen Bericht über seine Reise. Für den Transport der Kisten und Käfige von London nach Ostende, sowie für den Unterhalt von Prettermayer in der britischen Hauptstadt zahlte van Grysperre 142 Gulden 4 Stüber 573 Heller, für dessen Weiterreise nach Brüssel 140 Gulden 9 Stüber 4 Heller. Am 6. August 1785 schrieb Belgiojoso an den Vizekanzler, Boos sei mit mehreren Kisten und Käfigen mit seltenen Tieren in Brüssel angekommen. Der Großkaufmann Romberg hatte den Auftrag erhalten, den Forscher und seine Sammlungen nach Wien zu bringen; für die glückliche Ankunft waren alle Maßnahmen getroffen. Für diesen Transport hatte Romberg die hohe Summe von 5328 Gulden verlangt. Der Preis für die Fahrt auf einem Schiff von Ulm bis Wien betrug 500 Gulden, von denen die Schiffs­leute nur 180 erhielten. Belgiojoso hatte gar nicht erwartet, daß Rom­berg auf einem Transport für den Kaiser soviel Geld gewinnen wollte. Anfang September kam Boos in Wien an. Die Pflanzen waren alle noch in sehr gutem Zustande, während einige Tiere auf dem Landwege zwischen Brüssel und Ulm umgekommen waren. Auch Cobenzl ärgerte sich über den hohen Preis, den Romberg für die Reise nach Wien verlangt hatte und befahl Belgiojoso, sich in ähnlichen Fällen an eine andere Firma zu wen­den. Für die Reise von Brüssel nach Wien hatte der bevollmächtigte Mini­ster Boos die Summe von 300 Gulden zur Verfügung gestellt. Am 20. Oktober schrieb Cobenzl an Mercy-Argenteau, Boos habe vom Kaiser einen neuen Auftrag erhalten, nach dem Kap der Guten Hoffnung und von da nach der Isle-de-France und der Isle Bourbon zu fahren. Für diese Reise kamen nur holländische und französische Schiffe in Betracht. Da die Schiffe der ostindischen Handelsgesellschaft gegen Weihnachten abfuhren, sollte Mercy-Argenteau den holländischen Gesandten in Paris, Brantsen, um die nötigen Auskünfte bitten. Auch sollte dieser Boos Empfehlungsschreiben des Direktors dieser Gesellschaft, wenn möglich für Freunde der Naturwissenschaften, verschaffen; für die französischen Kolonien wäre vor allem ein Schreiben des Direktors der königlichen bota­nischen Gärten von hohem Wert. Nach Allerheiligen sollte Boos von Wien nach Brüssel kommen und dort abwarten, ob er sich nach den Anweisungen von Mercy-Argenteau und Belgiojoso nach Amsterdam, oder einem fran­zösischen Hafen begeben sollte. Vom Staatskanzler Kaunitz erhielt Bel­giojoso am 5. November Mitteilung, sämtliche Ausgaben für die Reisen von Boos würden aus der niederländischen Staatskasse bezahlt werden. Als Reisebegleiter erhielt Boos den Gärtner Scholl angewiesen. Jeder von ihnen sollte außer den Geldern für die Reisen und für die Ankäufe von Tieren und Pflanzen monatlich 20 Gulden für Kleidung und andere „Leibesbedürfnisse“ erhalten. „Herr Boos wird alle Ausgaben sowohl für ihren eigenen Unterhalt als für die übrigen Reisekosten und Anschaffung mit Sparsamkeit und Wirthschaft einrichten, doch aber, auch seltsame

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