Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413

34 Berthold Waldstein-Wartenberg mutlich auf geschlossenen Grundstücken, während auch einzelne Bäume an Straßenrändern standen 203). Nach der Bedeutung, die man den einzel­nen Bäumen zuschrieb, mußte der von Ulrich Pancera 1274 getätigte Kauf eines Hofes mit 31 Olivenbäumen am Berge Brione einen besonderen Wert dargestellt haben. Ulrich hatte dafür 100 Pfund zahlen müssen 204). Zahl­reiche Olivenbäume befanden sich auch auf den Gütern der abhängigen Bauern, da der Ölzins neben dem Getreidezins am häufigsten vertreten ist. Die Kultur des Olivenbaumes reichte aber nicht höher als Dro. Nur verein­zelt wurden auch im Ledrotal noch Oliven gepflanzt und deren Früchte abgeliefert. In der Ortschaft Arco befand sich eine Ölpresse, in der die Oliven zu Öl verarbeitet wurden. Im Rechnungsbuch von 1408 werden im Winter zweimal Ausgaben für die Arbeiter dieser Ölpresse vermerkt 205). Am 18. Jänner erhielten sie 11 Pfund Rindfleisch und am 15. Feber wurde den beiden Arbeitern ihr Gehalt ausbezahlt. Da jeder von ihnen 9 Pfund pro Monat erhielt, sie aber 1 Monat und 21 Tage gearbeitet hatten, wurde ihnen je 15 Pfund ausgezahlt. In den nördlichen und höher gelegenen Teilen der Grundherrschaft herrschte der Getreidebau vor. Die Einkünfteverzeichnisse des 13. Jhd. nennen Weizen (frumentum), Gerste (scandela), Roggen (siligo)206) und Hirse. Letztere, die besonders häufig vertreten ist, wurde in mehreren Sorten angebaut. Neben der gewöhnlichen Hirse (milium), die in der Botanik als Rispenhirse (panicium miliaceum) bezeichnet wird, war auch der Fench oder die welsche Hirse (panicium) in Verwendung, die botanisch als Kolbenhirse (panicium italicum) bezeichnet wird207). In der Pfarre Arco wird darüber hinaus noch eine dritte Hirseart, der Sürch oder Sirch (surgum) als Abgabe erwähnt. Es handelt sich hierbei um eine weniger wertvolle Getreideart, die feuchtwarme Gegenden bevorzugt 208 ) und als Schweinemastfutter besonders in Italien sich in alter Zeit allgemeiner Beliebtheit erfreute 209 *). Diese auch als Mohrenhirse bezeichnete Getreide­art wurde in Tirol im 16. Jhd. durch den Mais verdrängt, der für den glei­chen Zweck angebaut werden konnte. Eigentümlicherweise fehlt jeder Hinweis auf einen Haferanbau, was umso erstaunlicher ist, als gerade diese Getreideabgabe in den meisten 2°3) Arco-Archiv Mantua, Busta 11 und 15. 2°4) Ebda, Busta 10. 205) Trient, Biblioteca comunale, Sammlung Segala, 20. Bd., fol. 27 ff, sub dato. so«) Vgl. zu den lat. Bezeichnungen O. Stolz: Zur Geschichte der Landwirt­schaft in Tirol, in: Tiroler Heimat, 3. Bd., S. 115 ff. 207) O. Stolz, a. a. O., S. 121 f.; Joh. Hoops: Waldbäume und Kulturpflanzen im germanischen Altertum, S. 632. 208) O. Stolz, a. a. O., S. 123. 209) V. Hehn: Kulturpflanzen und Haustiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien, 5. Aufl., 1887, S. 414.

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