Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

WALDSTEIN-WARTENBERG, Berthold: Die Grundherrschaft der Herren von Arco bis zu ihrer Erhebung zur Grafschaft im Jahre 1413

Die Grundherrschaft der Herren von Arco 35 mittelalterlichen Urbaren vorherrschend ist. Die Herren von Arco dürften aber ihre Pferde nicht mit Hafer gefüttert haben, der auch heute in den romanischen Ländern nicht als Pferdefutter dient. Bevor aber der Mais bekannt wurde, dürfte die Hirse die Stelle des Hafers ein­genommen haben. Am 15. Feber 1408 wird zwar der Einkauf von 3 Galeten Spelt als Pferdefutter vermerkt210), doch dürfte diese Getreideart nicht als regelmäßiges Futter üblich gewesen sein, da sie unter keiner Abgabe und in keinem Einkünfteverzeichnis erwähnt wird. Neben diesen allgemein üblichen Nutzpflanzen besaßen die Herren von Arco in Moiana ein Grundstück, das ausschließlich mit Edelkastanien bepflanzt war211). Von den Hülsenfrüchten, die gleich dem Hafer in der Regel auf den Grundherrschaften große Anbauflächen beanspruchten, wird hier nur die Bohne (faba) erwähnt. 1287 erhielt Ulrich von Arco von seinen Gütern in Nago 7V2 Galeten und aus Ledro l'/2 Galeten212). Eine interessante Nachricht bietet eine Urkunde des Jahres 1213. Am 13. September dieses Jahres überträgt ein gewisser Johannes seinen ge­samten in Rendena befindlichen Besitz an Friedrich von Arco, um ihn von diesem als Lehen zurückzuerhalten. Johannes leistet seinem Herrn den Lehenseid und verspricht ihm jährlich einen Zins von 1 Pfund Pfeffer zu entrichten213). Die Abgabe von 1 Pfund dieses wertvollen Gewürzes finden wir in Tirol häufig als Abgabe vertreten. Wenn auch nicht als jährlicher Zins, so war doch, wie das häufige Vorkommen in den Notariatsimbrevia- turen beweist214), anscheinend gewohnheitsrechtlich festgelegt, daß bei Besitzwechsel die Grundholden an ihren Herrn neben einer Geldsumme 1 Pfund Pfeffer zu entrichten hatten. In Deutsch-Tirol ist uns sogar, ähnlich wie in unserem Fall, eine jährliche Pfefferabgabe überliefert. Das Domkapitel von Brixen erhielt diese Abgabe von einer Gegend, die „Pfeffer- lant“, später „Pfeffersberg“ genannt wurde 21S). O. Stolz216) schließt dar­aus, daß in dieser Gegend eine Art Pfeffer gepflanzt wurde, dessen Qualität allerdings weitaus geringer war, als jener, der aus Indien über Venedig nach Europa eingeführt wurde. Möglich, daß diese Pflanze auch in anderen Teilen Südtirols und des Trentino angebaut wurde, was die Häufigkeit der Pfefferabgaben erklären würde. Bei der Aufzählung der landwirtschaftlich genutzten Grundstücke dür­fen wir die Wiesen (prata) nicht vergessen, die in den Güterverzeichnissen 210) Biblioteca comunale Trient, Sammlung Segala, 20. Bd., fol. 27 ff. 211) 1283 Mantua, Busta 11. 212) Ebda. 213) Ebda, Busta 9, s. auch 1315 Jänner 26, (Busta 11). 214) Notariatsimbreviaturen Südtirols I, Nr. 61, 427, 457, 501, 506 a. 2!5) L. Santifaller: Calendarium Winteri, in: Archiv per TAlto Adige 1923, S. 12, 338, Nr. 250.—257; L. Santifaller: Die Urkunden des Brixner Hoch­stiftes I, Nr. 80, 85, II., 26, 34, 37, 65, 92. 216) Geschichte der Landwirtschaft in Tirol, S. 129. 3*

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