Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
ROEMHELD, Friedrich: Konstantin Reitz. Ein vergessener Vorkämpfer für abendländische Kultur in Afrika
302 Friedrich Roemheld bald Freude an der eingeschlagenen Laufbahn fand und daß diese Freude ihn zu immer neuen Anstrengungen und Fortschritten beflügelte. Bezeichnend für ihn ist ein Brief, den er am 22. Juli 1848 an einen Jugendfreund schrieb und der einen Einblick in seine Tätigkeit, seinen Charakter und auch in seine Lebensweise zu jener Zeit gibt. Er erzählt zuerst, wie ihm nach und nach die verschiedenen Ämter übertragen wurden, und fährt dann fort: „Ich bin vom frühen Morgen bis an den späten Abend beschäftigt. Ich habe mich mit Energie bald in die mir seither gänzlich fremden Geschäfte hineingearbeitet, und Du würdest höchlich erstaunt sein, den alten, an ein poetisches, unabhängiges Leben gewöhnten Konstantin jetzt mit Ruhe und Umsicht die vielseitigen Geschäfte erledigen zu sehen. Administration, Justiz, Diplomatik und hundert Gegenstände verschiedener Art besorge ich in italienischer, französischer, deutscher und nach und nach selbst in arabischer Sprache. Seit meinem Eintritt habe ich bereits über 600 Nummern ins Protokoll eingetragen und erledigt. Auch in dieser neuen Stellung habe ich erprobt, daß man mit unermüdlicher Tätigkeit und gutem Willen in kurzer Zeit viel lernen und leisten kann. Jetzt bin ich in den Konsulardienst ganz eingeschossen. Audaces fortuna hivat!" Reitz berichtet dann vom Ausbruch der Cholera in Bulack, einer Vorstadt von Kairo, einem Ereignis, das einen wilden Schrecken über ganz Ägypten verbreitete, und schreibt dann weiter: „Ich für mein Teil habe keine Furcht und verlasse mich auf mein gutes Glück. Überall, und flüchte er bis an den äußersten Rand der Wüste, steht der schwache Sterbliche in der Hand der Vorsehung. Vorwärts! Ich will jedoch für den unvorhergesehenen Fall meines Todes meinen Eltern einige Andeutungen über meinen Vermögenszustand geben, damit meine geringen Habseligkeiten seiner Zeit reklamiert werden können. Du wirst darüber lachen. Übrigens habe ich immer einige hundert Gulden in Reserve, obgleich Du mich als sorglosen, nicht an Kleinigkeiten klebenden Lebemann kennst, der generös das verbraucht, was er mit Mühe verdient. — Mit den Resultaten meiner arabischen Studien kann ich im allgemeinen zufrieden sein, da die tägliche Praxis ersetzt, was mir wegen Zeitmangels an Theorie abgeht. Eine Abessinierin von der Farbe des gebrannten Kaffees besorgt mir seit drei Monaten mein Hauswesen. Du würdest Dich amüsieren, wenn Du meinen Haushalt sähest. Ein kleines arabisches Haus mit drei Zimmern, Küche etc. habe ich recht niedlich eingerichtet, einen Divan aufgeschlagen, die verschiedenen Tschibuks (Tabakspfeifen) aufgepflanzt und ein schönes Empfangszimmer in echt orientalischem Geschmack ausstaffiert. Herr von Petersen, schwedischer Kanzler, Herr von Laurin und einige arabische Effendis bilden meine Gesellschaft. Um den Rest der Welt kann ich mich nicht kümmern, weil meine ganze Zeit in Anspruch genommen ist.“