Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
ROEMHELD, Friedrich: Konstantin Reitz. Ein vergessener Vorkämpfer für abendländische Kultur in Afrika
Konstantin Reitz 303 Etwa ein halbes Jahr später, am 28. Februar 1849, schreibt Reitz u. a. folgendes: „Gestalten sich die Angelegenheiten in Deutschland gut, so sehe ich einer Zukunft entgegen, die meiner Tätigkeit ein weites Feld bietet und ganz meinem Geschmacke angemessen ist. Wie ich seit einem Jahre gearbeitet und was ich alles gelernt, kann ich selbst kaum begreifen, ein neuer Beweis, daß der Mensch viel kann, wenn er will und Gelegenheit dazu hat ...“ Liest man die wenigen Andeutungen in diesen doppelt wertvollen Selbstzeugnissen, so kann man nur bedauern, daß wir aus jener Zeit nur so spärliche Nachrichten über Reitz besitzen. Daß er alle Ereignisse des öffentlichen Lebens in Ägypten aufmerksam verfolgte, ist bei der besonderen Art seines Berufes selbstverständlich. Kurze, ganz sachlich gehaltene Nachrichten über mehr oder minder wichtige Vorfälle sandte er von Zeit zu Zeit an die Augsburger Allgemeine Zeitung, deren Mitarbeiter für die Angelegenheiten Ägyptens er eine Zeitlang gewesen ist. Einiges wenige über Reitz erfahren wir aus den „Reiseskizzen aus Nordafrika“, dem Erstlingswerk des später berühmt gewordenen Tier- schilderers Alfred Brehm22), der sich damals seine wissenschaftlichen Sporen in Afrika verdiente. Brehm war 1847 als achtzehnjähriger junger Mann von dem württembergischen Baron Johann W. v o n Müller23), einem eifrigen Jäger und Vogelsammler, nach Afrika mitgenommen worden, und beide hatten eine wissenschaftliche Jagdreise den Nil aufwärts unternommen. Sie waren am 28. September 1847 zusammen mit der Missionsgesellschaft des Monsignore Casolani, von der unten (S. 316) noch die Rede sein wird, von Alexandria aufgebrochen, waren bis Ambukol den Nil aufwärts gefahren, von da aus auf dem Landweg durch die Bajuda- Steppe nach Khartum gereist und dort am 4. Januar 1848 angekommen. Am 25. Februar hatten sie die Reise ins Innere von Kordofan angetreten. Sie hatte an Mühsal, Entbehrungen, Gefahren und Schwierigkeiten aller Art nichts zu wünschen gelassen. Am 29. Januar 1849 kamen sie nach 22) Edmund Alfred Brehm, geb. in Unterrenthendorf bei Neustadt an der Orla in Sachsen-Weimar am 2. Februar 1829; vgl. über ihn die Lebensbeschreibung von Ernst Krause im 1. Band des „Tierlebens“, 1918; ferner P. Martell, „Ein Menschenleben für die Tiere. Zum 100. Geburtstag von Edmund Alfred Brehm“ in der deutschen Allgemeinen Zeitung, 68. Jahrg., Nr. 53/54, vom 2. Februar 1929, und Weidmann, a. a. O. Hier auch ein Bildnis von Brehm. 23) Johannes Wilhelm von Müller, geb. in Kochersteinfeld bei Heilbronn am 4. März 1824, gest. ebd. am 24. Oktober 1866, war am 29. Juli 1847, also etwa zu derselben Zeit wie Reitz, in Alexandria angekommen. Später hat Müller die Zoologischen Gärten von Marseille und Brüssel gegründet und dann die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko bereist. Außer den beiden im Quellenverzeichnis genannten Arbeiten hat er noch geschrieben: „Systematische Übersicht der Vögel Afrikas“ und „Beiträge zur Ornithologie Afrikas“ (Weidmann, a. a. O., S. 129).