Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

Eugen Beauharnais’ Königreich Italien beim Übergang zur österr. Herrschaft 281 des französischen und österreichischen Generalstabs zu ihrer Recognoszi- rung sogleich abzuschicken, und dann erst in Turin, wohin das Hauptquar­tier des alle Truppen commandierenden Generals Grenier verlegt würde — das Nähere zu bestimmen. Die bei der Armee von Italien gestandenen französischen Truppen be­standen aus 4 Divisionen Infanterie und 2 Brigaden Cavallerie; sie zählten vor den Gefechten am Mincio 41.658 Mann, außer den beiden italienischen Infanteriedivisionen Zucchi und Palombini, einer italienischen Cavallerie- brigade und der italienischen Garde, die in demselben Zeitpunkt noch gegen 11.000 Mann stark waren. Allein jetzt lagen in den Spitälern von den Fran­zosen 8000 Mann, vor dem Feinde hatten sie seit dem Anfang der Cam­pagne eine ähnliche Anzahl verloren, und was sich Anfang Mai um Alessandria versammeln konnte, erreichte kaum die Zahl von 34.000 Mann, die Division Grétien mit eingeschlossen, welche bereits die Garnison bildete. Hiezu kamen noch die, indes sehr schwachen Garnisonen von Ancona unter dem General Barbon, jene der Engelsburg unter dem General Miollis, und jene von Civita Vecchia unter dem General La Salcet, welche nach Genua überschifft wurden und von dort mit der sehr schwachen Division Fresia, ebenfalls nach Alessandria zu marschieren hatten. Die Garnisonen von Venedig, Palmanova und Legnago waren größtenteils aus italienischen Truppen zusammengesetzt und der General Serraz, welcher später mit ihnen einrückte, brachte kaum 2000 Mann zurück. Hiezu müssen noch gegen 1600 Mann mit einem Train von 82 Geschützen gerechnet werden, so daß die Gesamtzahl, die ich über die Alpen zu führen hatte, gegen 28.000 Mann betrug. Allein ein starkes Drittel, aus Piemontesen und Indu­strierittern aus allen Weltgegenden bestehend, blieb in Piemont zurück, und es waren beiläufig 18.000 Mann mit denen ich endlich im Monat Juni im südlichen Frankreich anlangte. Die Pferde der Cavallerie und des Trains waren bis dahin fast gänzlich aufgerieben, von manchen Regimen­tern — und nicht im figürlichen Sinne gesprochen — war nur mehr das Gerippe zu sehen. Jener Theil der italienischen Armee, der bei Mantua zurückblieb und später von uns übernommen und unseren Truppen einver­leibt wurde, mag kaum 10.000 Mann betragen haben. Der Vice König hatte bei diesen Truppen alle Generale und einen Theil der Stabsoffiziere am Tage vor dem Abschluß der Capitulation um einen Grad befördert, der so­nach in der österreichischen Armee anerkannt ward, aber nicht zu deren Nutzen wurde. Müde und matt, aber aufgeregt von dem vielen Heterogenen, welches im Verlaufe dieses einen Tages an mir vorübergegangen war, suchte ich endlich die Ruhe auf, als ich durch einen Adjutanten abermals zum Vice König beschieden wurde — es war 3 Uhr morgens. Er benachrichtigte mich, daß eine Revolution in Mailand ausgebrochen, dort eine provisorische

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