Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

264 Karl Otmar Freiherr von Aretin als die nationale Begeisterung war. Als Alternative zur napoleonischen Lösung gab es ja nach einem Sieg der Alliierten nur die Restauration. Auf den Gedanken, daß die italienischen Fürsten, wie der von Weiden geschilderte Viktor Emanuel I. von Sardinien eine Restauration im übelsten Sinn durchführen würden, konnte man nicht kommen. Der italieni­sche Nationalismus, soweit er sich regte, war ohne Ziel. Die italienischen Patrioten hofften allenfalls auf die Erhaltung des Königreichs Italien, wo­bei Eugen Beauharnais als eine Notlösung akzeptabel erschien. Beauharnais’ Chancen, sich zu halten, waren an sich größer als die Murats. Es war nicht ausgeschlossen, daß Beauharnais von dem Abfall seines Schwieger­vaters, des Königs von Bayern, zu den Alliierten im Oktober 1813 Nutzen ziehen konnte. Einiges sprach im Oktober dafür, daß Bayern, weil es noch vor der Schlacht von Leipzig in das Lager der Alliierten übergetreten war, eine gewisse Sonderstellung bewahren könne. Die Position Bayerns bei den Alliierten hoffte man in München durch einen Vorstoß des bayeri­schen Generals Wrede zu verbessern, durch den Württemberg, Baden und Darmstadt im Oktober 1813 zum Anschluß an die Alliierten gezwungen wurden >5). Weitere Vorteile erhoffte man sich, wenn Bayern Beauharnais zum Abfall von Napoleon verleiten könnte. Max I. Joseph versuchte daher mehrmals, seinen Schwiegersohn zum Einlenken zu bewegen, dessen ungeschlagene Armee immerhin noch einen Machtfaktor darstellte. Am 16. November ließ er ihm durch den bayerischen General Prinz Taxis, der die österreichischen Linien passierte, das Angebot machen, die Waffen zu strecken. Man werde ihm die Souveränität über das ganze Königreich von der Etsch an garantieren1“). Eugen lehnte strikt ab. Ein im Februar unternommener Versuch scheiterte ebenso. Gleichzeitig verflogen auch die bayerischen Hoffnungen auf eine Sonderstellung, indem die von Bayern zum Übertritt gezwungenen Länder Württemberg und Baden mit Bayern gleichgestellt wurden. Die Aussichten für Beauharnais verschlechterten sich jetzt rasch. Die Frage, ob Beauharnais im Frühjahr 1814 die Absicht hatte, sich auf die italienische Armee gestützt zum König von Italien zu machen, wie ihm von Marschall Marmont in seinen Erinnerungen vorge- worfen wurde, ist 1857 in Paris Gegenstand eines Prozesses gewesen, den die Kinder Beauharnais’ gegen Marmont und seinen Verleger anstrengten. * 16 !5) über diese Bestrebungen gibt es bisher keine Detailuntersuchung. Das scharfe Vorgehen des bayerischen Feldmarschalls Wrede hat in Stuttgart und Karlsruhe große Bedenken hervorgerufen. Hierüber liegt interessantes Material im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Vgl. A. Prinz von Bayern, Max I. Joseph von Bayern, 1957, S. 663. Einige Angaben enthält auch die Zusammenfassung v. H. W. Schwarz, Die Vorgeschichte des Vertrags von Ried, 1933. 16) Vgl A. Prinz von Bayern, Eugen Beauharnais, der Stiefsohn Napoleons, 1940, S. 295 f. Über diese Mission hat Prinz Taxis ein Tagebuch veröffentlicht, Tagebuch eines Officiers im Generalstab der bayer. Armee, verf. i. J. 1816 von General Prinz August von Thurn und Taxis.

Next

/
Oldalképek
Tartalom