Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)

ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden

Eugen Beauharnais’ Königreich Italien beim Übergang' zur österr. Herrschaft 265 Beauharnais wurde glänzend rehabilitiert. Der Prozeß ergab keinerlei An­haltspunkte für Marmonts Behauptung 17). Mit seiner Anhänglichkeit an Napoleon hatte sich Beauharnais gegen Italien entschieden und es war im Frühjahr 1814 nur noch die Frage, ob es den italienischen Patrioten gelingen würde, das „Regno d’Italia“ auch ohne Beauharnais zu retten. Anlaß zu diesen Hoffnungen gab ein Aufruf des österreichischen Generals Nugent vom 10. Dezember 1813, in dem er im Namen des „Regno d’Italia indipendente“ versprochen hatte: „Avrete tutti a divenire una nazione indipendente“. Ihr Vorbild war dabei Murat, dem es durch seine zweideutige Haltung und durch seinen rechtzeitigen Übertritt gelungen war, seine Herrschaft im Königreich Neapel zu retten. Die Schlüsselfigur dieser wenig erforschten und auch sehr undurchsich­tigen Bemühungen in Norditalien ist der von Beauharnais und Weiden nicht gerade freundlich apostrophierte General Domenico Pino18). Pino nahm etwa gleichzeitig mit dem österreichischen General Nugent Verbindung mit Murat auf, ohne allerdings mit den gleichzeitig aus- und eingehenden Österreichern zu verhandeln19). Er war ja zu diesem Zeitpunkt noch ein General Beauharnais’. Diese Verhandlungen sind in ein undurchdringliches Dunkel von Intriguen gehüllt. Pino wollte sich auf die von Eugen Beauharnais geschaffene Armee des Königreichs Italien stützen, die in Norditalien den einzigen nationalitalieni­schen Faktor darstellte. Sie hatte ihre Waffentaten meist gegen Österreich erfochten. In ihr war daher ein antiösterreichischer Affekt vorhanden, der zur Durchsetzung italienischer Sonderwünsche gegen die allgemeine Begeisterung für Österreich wichtig schien. Sie war, da sie auch mit den Franzosen nicht mehr harmonierte, die einzige unabhängige nationalita­lienische Kraft zwischen Frankreich und Österreich. Pino hatte sich schon spätestens Ende Februar 1814 von Beauharnais gelöst, von dem er sich nicht mit Unrecht schlecht behandelt fühlte. Bei der Revolution in Mailand am 20. April 1814 spielte er eine undurchsichtige Rolle. Er wird unter den Anstiftern genannt, auch wird behauptet, er habe sich zum König von Italien machen wollen. Das Wort Re Pino hing ihm als Spottwort noch lange nach20). Seine Anwesenheit in Mailand scheint zufällig gewesen zu 17) Das Material dieses Prozesses ist dargelegt in der Schrift von Planat de la Faye, Le prince Eugene en 1814, 4 1858. Vgl. A. Lévy, Napoléon et Eugene Beauharnais, Paris 1926, S. 3, bes. A. v. Bayern, a. a. O., S. 306—12. 18) Domenico Pino (1767—1828), Divisionsgeneral unter Beauharnais. Kurz vor seinem Tod wurde ihm, der immer als ein Exponent des nationalen Italien galt, der österr. Feldmarschalltitel angeboten. Über ihn vgl. Enciclopedia Ita- liana, Ausgabe 1949, Bd. 27, S. 360. Nähere Angaben bringt F. Lemmi, La restaurazione austriaca a Milano nel 1814, 1902, S. 107—12. 10) Vgl. M. H. Weil, Joachim Murat, Bd. 1, Paris 1909, S. 72. 20) Vgl. F. Lemmi, a. a. O., S. Ill f„ S. 163.

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