Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12. (1959)
ARETIN, Karl Otmar Freiherr von: Eugen Beauharnais' Königreich Italien beim Übergang zur österreichischen Herrschaft im April 1814. Aus den nachgelassenen Papieren des k. k. Feldzeugmeisters Ludwig Frh. von Welden
Eugen Beauharnais’ Königreich Italien beim Übergang zur österr. Herrschaft 263 und Frankreich Anfang Mai bis zum Friedensschluß“ 1872 erschienen. Diese Bücher gelten als hervorragende militärwissenschaftliche Werke. Daneben existierten von Weldens Hand noch bruchstückhafte persönliche Erinnerungen über die Zeit von 1796—1814, in denen insbesondere in Ergänzung seiner amtlichen Schilderung der Feldzüge von 1809, 1812 und 1813/14 seine persönlichen Erlebnisse niedergelegt waren. Sie sind in den Wirren nach dem 2. Weltkrieg in der Tschechoslowakei verloren gegangen. Erhalten hat sich eine Abschrift von der Hand seiner Tochter, der der folgende Abschnitt entnommen ist. Gräfin Belcredi wollte diese Bruchstücke zusammen mit den kriegsgeschiöhtlichen Betrachtungen aus derselben Zeit zu einem Erinnerungswerk zusammenfassen. Diese Absicht ist nicht zuletzt deshalb unverwirklicht geblieben, weil sich im österreichischen Kriegsarchiv nur sehr wenig Akten über Weiden fanden. 2. Die Lage in Italien im Frühjahr 1814. Die historische Situation des April 1814 in Italien unterschied sich sehr wesentlich von der des übrigen Europa. Während in Deutschland zu Ende des Jahres 1813 entschieden war, daß zumindest die napoleonische Ordnung Süddeutschlands in großen Zügen bestehen bleiben würde, war das Schicksal Italiens zu diesem Zeitpunkt noch in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt. Im Gegensatz zur napoleonischen Ordnung in Deutschland entsprach die Gliederung Italiens in ein nördlich gelegenes Königreich Italien unter dem Yizekönig Beauharnais, das Königreich Neapel unter Murat und die an Frankreich gefallene Westküste so ziemlich den Vorstellungen und Wünschen der italienischen Patrioten und hatte jedenfalls einen gewaltigen Fortschritt in Richtung auf den italienischen Nationalstaat bedeutet. Sehr lange allerdings hielt sich die Begeisterung nicht. Denn trotz des Namens „Königreich Italien“ konnte weder die Person Eugen Beauharnais’ noch seine Umgebung darüber hinwegtäuschen, daß es sich um eine mildere Form der Fremdherrschaft handelte. Die hohen Blutopfer, die Italien in den verschiedenen Feldzügen und insbesondere im russischen von 1812 hatte entrichten müssen — von 27.000 Italienern kehrten nur etwa 1000 zurück — ließen die milde Herrschaft der Österreicher im 18. Jahrhundert in einem verklärenden Licht erscheinen. Der Einfluß der italienischen Kultur auf das Wien des 18. Jahrhunderts, die Aufstiegsmöglichkeiten von Italienern in kaiserlichen Diensten stachen! angenehm von dem Hochmut ab, mit dem die Franzosen die Italiener in Mailand und Paris behandelten. Beauharnais trat darüber hinaus immer nur als Sachwalter Napoleons auf und konnte viel weniger als Murat seine Untertanen für sich gewinnen. Auf diese Gründe ist es zurückzuführen, daß zur selben Zeit, als der Nationalismus in Deutschland zum erstenmal hoch aufschäumte, in Italien die Bereitschaft, wieder unter die österreichische Fremdherrschaft zurückzukehren, größer