Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana 91 nennungsdekret ist am 30. Mai 1714 ausgestellt worden, das päpstliche Motuproprio überreichte er an der Rota am 2. Juli desselben Jahres. Für Althan war das kaiserliche Auditoriat nur der Einstieg in eine glänzende kirchliche und politische Laufbahn217), die zu skizzieren nicht in den Rah­men dieser Abbéit fällt. Als er 1718 zum Bischof von Waitzen erhöhen wurde, war seine Laufbahn noch lange nicht an ihrem Kulminationspunkt, er blieb an der Rota bis zu seiner am 29. November 1719 erfolgten Erhe­bung zum Kardinal. Knapp vor seiner Erhebung in den Kardinalsstand war er an die Stelle des im Juli nach Neapel abberufenen Grafen Gallas als kaiserlicher Botschafter in Rom getreten. Die Krönung seiner politischen Karriere stellte die 1722 erfolgte Berufung zum Vizekönig von Neapel dar218). Bei zwei Konklaven, in dem von 1721 und 1730—1724 nahm er am Konklave nicht teil — wirkte er mit. In dem Konklave von 1721, bei dem er Träger des kaiserlichen Sekretums war, benützte er das dem Kaiser zustehende Recht der Exklusive 219). Althan kommt auch das entscheidende Verdienst an der Erhebung Wiens zum Erzbistum zu 22°). Die durch die Verleihung des roten Hutes an Auditor Althan frei­gewordene Stelle wurde erst 1723 wieder verliehen und zwar an den lang­jährigen Präfekten der Hofbibliothek, den gelehrten Johann Bene­dikt Gentilotti von Engelsbrunn221). Gentilotti, der zwar die für die Aufnahme in die Rota erforderlichen Einkünfte von jährlich 200 Dukaten aus seinem Kanonikat in seiner Heimatstadt Trient und aus Patrimonialvermögen nachweisen konnte 222), erklärte sich außer Stande, den durch seine Vorgänger Kaunitz und Althan geschaffenen Standard des Auftretens auch nur annähernd aufrecht erhalten zu können ohne ent­sprechende Besoldung aus der Hofkammer: Nachdeme aber, allergnädig­ster Kayser und Herr, sattsam bekand ist, daß die einem Rotae Auditori bestimmte besoldung samt denen ungewissen sogenannten propinis oder sportulgeitern bey weitem nit erkläcklich seyen, die notwendige Unter­haltung vili weniger die einem National Auditori pro decore Euer kais. Maj. und der nation gezimmende und wohlanständige aufführung zube­217) Vgl. Pastor, Geschichte der Päpste Bd. XV. und Benedikt, a. a. O. 218) Benedikt, a. a. O., S. 262 ff. 218) Pastor, a. a. O., Bd. XV, S. 401—408. Exklusive gegen Kardinal Paolucci. 220) Schmidlin, Anima S. 618, Anm. 4. 221) Gentilotti von Engelsbrunn, geboren 1672 als Sohn des Johann Bapt. und der Baronin Cäcilia von Lehen war vor seiner 1704 erfolgten Berufung an die Hofbibliothek geistlicher Rat und Kanzleidirektor des Fürsterzbischofs von Salzburg. Nachdem er durch mehr als 17 Jahre die Hofbibliothek geleitet hatte, erreichte ihn die Berufung zum Auditoriat an der Rota. Vgl. Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 552; Schmidlin, Anima, S. 618, Anm. 5; J. Stummvoll, Die Präfekten der Bibliotheca Palatina Vindobonensis in: Die österreichische Nationalbiblio­thek, Festschrift hrsg. 1948, S. 17; O. Smital, Die beiden Hofmuseen und die Hofbibliothek (Wien 1920), S. 57. 222) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 552.

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