Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

92 Richard Blaas streiten, alß hab Euer kais. Maj. umb die allergnädigste assignation bey dero Hoff-Cammer einer zulänglichen jährlichen Zugabe zumahlen auch umb eine aller gnädigste beliebige beyhülff zu denen reiß- und ausstaf­fierungskosten gebeten223). Es wurde ihm ein jährlicher staatlicher Unter­haltsbeitrag in der Höhe von 4000 fl. bewilligt, allerdings mit der Ein­schränkung, daß solches ajuto mit einem aequivalenten beneficio ecclesi- astico ersetzt — hoffentlich in baldem — und wieder heimbgezogen wer­den könne22*). Dieser fromme Wunsch der Hofkammer hat sich nicht erfüllt, denn einmal gewährte Zuschüsse führen ein hartnäckiges Eigen­leben und jeder der folgenden Auditoren glaubte, ohne diese Zuwendung nicht mehr standesgemäß auftreten zu können und so wurde daraus mit der Zeit eine fixe Besoldung. Gentilotti trat am 6. Dezember 1723 in die Rota ein, da er aber bereits 1725 vom Domkapitel in Trient zum Fürst­bischof gewählt wurde, hatte er kaum Gelegenheit, seiner politischen Auf­gabe gerecht zu werden; daß er sie vollauf erfüllt hätte, zeigen die von ihm verfaßten Berichte über das Konklave von 172 4 225). Er starb knapp vor seiner Abreise nach Trient am 20. September 1725 226). Da das für Genti­lotti ausgestellte Ernennungsdekret in seiner über die reine Nomination hinausgehenden, den Pflichtenkreis eines nationalen Auditors umgreifenden Form typisch für die Auffassung der Funktionen dieses Amtes ist und für alle folgenden Benennungen als Architypus herangezogen wurde, mögen die auf das Amt bezüglichen Anordnungen hier im Wortlaut folgen: ad memo- ratum Auditoris Rotae munus summo Pontifici Curiaeque Romanae nomi- nandum ac praesentandum decrevit benigne confidens eundum jura ac prae- rogativas solii imperialis regni et nationis germanicae ejusdemque con- cordata, consuetudines statuta et immunitates, libertatesque pro Ecclesi­arum, stemmatumque dignitate una cum advocatia imperiali pro Sancta Ecclesia Catholica apprime curaturum nulloque studio aut occasione, quae- cumque in űrbe vel Rotae ad promovendum S. C. Majestatis, Imperii, Serenissimaeque Domus Austriacae ejusque haereditariorum regnorum, principatuum atque provinciarum jura decus et commodum vel ad damna avertenda quovis modo facerent supersessurum ac deinceps arcana quae- cunque ratione nunc dicti muneris atque circa Majestatis Imperialis ac Nationis Germanicae Jura rem atque praecipua ad ejus noticiam pervene- rint probe observaturum et ad tumulum usque suum in animo custodi- turum esse de quibus S. C. Majestas saepe dictum Dominum Joannem Bene- dictum Gentilot vi huius decreti sui Caesareo-Aulici moneri atque certi­223) Allerunterthänigstes Memorial dero Raths und Hoffbibliothecarii nun­mehr allergnädigst benennten Auditoris Rotae Johann Benedict Gentilott v. En­gelsbrunn. 19. Jänner 1723. St. K. Rom, Varia Fasz. 32. 224) 1. c. Dekret an die Hofkammer vom 27. I. 1723. 225) Pastor, Geschichte der Päpste Bd. XV, S. 461, Anm. 3. 22G) Cerchiari, a. a. O.; J. Lohninger, S. Maria dell’Anima S. 148. Daselbst eine Abbildung seines Grabdenkmals in der Animakirche.

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