Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

90 Richard Blaas 4. April 1701 aufgenommen 209). Der Aufsicht über die Anima widmete er sich mit großem Eifer210) und in der großen politischen und militärischen Auseinandersetzung um das spanische Erbe, in die auch der Kirchenstaat hineingezogen wurde, fiel ihm als Stellvertreter des kaiserlichen Gesandten speziell nach dessen überraschender Abberufung eine wichtige politische Rolle zu211), wobei seine kompromißlose Haltung bei derWahrung derkaiser- lichen Interessen auf Grund seiner Herkunft und der Stellung seiner Familie einfach selbstverständlich war. Daß bei der Auswahl der Audi­toren nunmehr ihre diplomatische Eignung über ihre juridische gestellt wurde, dafür hatte Kaunitz die Voraussetzungen geschaffen. Als er am 1. Juni 1711 vom Kaiser das Bistum Laibach erhielt212), wurde sein Ab­gang an der Kurie mit einem Gefühl der Erleichterung aufgenommen, denn sein leidenschaftliches Eintreten für die Interessen des Kaiserhauses wäh­rend des spanischen Erbfolgekrieges hatte ihm daselbst keine Freunde geschaffen 213). Der Tod Kaiser Josephs I. und die Anfangsschwierigkeiten des eben erst aus Spanien zurückgekehrten Kaisers Karl VI. müssen wohl für die Verzögerung bei der Neubesetzung des Auditoriats verantwortlich gemacht werden. Die Reichshofkanzlei hatte bereits 1712 auf die Neubesetzung angetragen214). Für die Stelle lag bereits eine durch den Herzog von Wolfenbüttel vertretene Kandidatur eines gewissen Hermann Friedrich von Schalom, Domherr zu Eichstädt und Augsburg, und das Ansuchen des Grafen Carl Ferdinand von Lodron vor215 * *). Die Wahl des Kaisers fiel aber auf den schon seit Jahren in Rom für die Interessen des Hauses Habsburg tätigen Grafen Michael Friedrich von Althan218). Sein Er­209) Cerchiari, a. a. 0., vol. II, nr. 533. 210) Schmidlin, Anima S. 617. (Hier fälschlich Sebastian genannt.) 211) Vgl. Landau, Rom, Wien, Neapel während des spanischen Erbfolge­krieges (Wien 1885), S. 192, 197, 385; Hans Kramer, Habsburg und Rom in den Jahren 1708—1709, Publikationen des österr. histor. Instituts in Rom, Bd. III (Innsbruck 1936), S. 79. 212) Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 533; Gams, Series Epise. S. 283. 213) Vgl. H. Kramer, a. a. O., S. 79. 214) St. K. Rom, Varia Fasz. 22. Reichshofkanzlei Referat über des Mar­chese di Prié, relationes vom 28. Mai, 4. und 8. Juni 1712. 21B) 1. c. Reichshofkanzlei Referat vom 30. Sept. 1712 und 18. Juli 1713, Supplik des Grafen von Lodron (Rom, Varia Fasz. 23). 2le) 1. c. Rom, Varia Fasz. 23. 30. Mai 1714 Decretum pro Michaele Fride- rico Comité ab Althann ad Auditoratum Rotae Romanae. — Michael Friedrich Althan geboren am 21. Juli 1682 als Sohn des wirkl. geh. Rates Michael Wenzel und der Gräfin Anna Maria von Aspermont aus Westfalen, infulierter Propst der kais. Kapelle Allerheiligen im Prager Schloß, Domherr von Olmütz und Breslau, hatte 1709 die Priesterweihe empfangen, 1710 in der Theologie, 1714 in beiden Rechten promoviert. 1718 zum Bischof von Waitzen ernannt, wurde er am 29. Nov. 1719 zum Kardinal, 1720 zum kaiserlichen Botschafter und 1722 zum Vizekönig von Neapel erhoben. Er starb am 20. VI. 1734. Vgl. Cerchiari, a. a. O., vol. II, nr. 543; Schmidlin, Anima S. 618 Anm. 3, 4; Benedikt, Das Königreich Neapel unter Kaiser Karl VI. (Wien 1927), S. 262 ff.

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