Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 11. (1958)

BLAAS, Richard: Das kaiserliche Auditoriat bei der Sacra Rota Romana

84 Richard Blaas Man empfand ihre Vorherrschaft als stiftungswidrig und sie als Vertreter von Reichsinteressen ungeeignet. Die schon lange schwelende Auseinander­setzung war während der Wirren des großen Krieges und der Jahre nach­her, während welcher das Reich in Rom nur durch einen Kardinalprotektor vertreten war, der selbst in der Regel kein Deutscher war, nicht zum Durchbruch gekommen. Dies änderte sich aber sofort in dem Augenblick, in dem der deutsch-französische Gegensatz und die sich abzeichnende Aus­einandersetzung um das spanische Erbe eine neue Frontstellung geschaf­fen hatten und der Kaiser seine Interessen an der Kurie wieder zunächst durch Sondergesandtschaften und dann durch eine ständige diplomatische Vertretung wahrnehmen ließ. Beim Konklave Innozenz XII. war zum erstenmal wieder nach vier Jahrzehnten ein weltlicher Diplomat, Fürst Anton Florian von Liechtenstein, als Gesandter nach Rom abgesandt wor­den. Doch erst als der energische Graf Georg Adam Martinitz an seine Stelle trat, war der richtige Mann zur rückhaltlosen Durchsetzung der neuen Ideen gefunden. Mit der Wiedererrichtung einer ständigen diplo­matischen Vertretung in Rom ergab sich natürlicherweise auch eine engere Bindung des kaiserlichen Auditoriates an diese. Hand in Hand damit ging eine gewisse Verbeamtung der Auditorstelle, die von nun ab von der Hof­kammer besoldet, zu einer mit der Gesandtschaft eng liierten Dienststelle wird, in die fast ausschließlich der Hofadel aufsteigt, der sie als Sprung­brett für eine erfolgreiche kirchliche Karriere benützt. Die Bewerbungen werden innerhalb dieses engeren Kreises ausgefochten, Außenstehende haben keine Chance mehr, in dieses Reservat vorzudringen. Die kaiser­lichen Auditoren im 18. Jh. wechseln rasch, für die Amtsträger ist die Richterstelle an der Rota nur die erste Sprosse für den Aufstieg in die höhere Hierarchie. Namen wie Kaunitz, Althan, Harrach, Thun, Migazzi, Hrzan, Pergen u. a. sind dafür unwiderlegbare Zeugen. Ihnen gelingt nach einigen Jahren Amtstätigkeit an der Rota, da sie durch ihre Familien einen sehr vermögenden Rückhalt bei Hof haben, der Aufstieg in den Episkopat und einigen sogar der ins Kardinalat. Bevor auf die Darstellung der Entwicklung des kaiserlichen Audito­riates an der Rota im 18. Jh. eingegangen wird, soll auf ein dem Namen nach sehr ähnliches, dem Bedeutungsinhalt jedoch weit inferioreres Amt kurz hingewiesen werden. In den Akten taucht neben dem Auditoriat an der Rota ziemlich häufig noch ein anderes kaisei’liches Auditoriat auf, dessen Amtsträger regelmäßig Uditore Cesareo oder Imperiale genannt wird. Obwohl in den Akten meist die beiden Auditoriate auseinander­gehalten werden durch den Zusatz „Rota“ bei dem einen der beiden Ämter, erscheint es doch zweckmäßig, zur Vermeidung von Irrtümern und Ver­wechslungen auf den Sinn und die Bedeutung des Uditorato Cesareo kurz hinzuweisen. Der kaiserliche Auditor taucht in den Akten erstmals um die Mitte des 17. Jh. auf, was natürlich noch nicht besagt, daß es diese Stelle nicht

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